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postkarte_lange straße

Postkarte vom Anfang der 1920er Jahre. Sie zeigt den nördlichen Teil der Innenstadt (Blickrichtung von Norden nach Süden). Diepholz hatte damals rund 3500 Einwohner.

Münte

Die Münte in den 1970er Jahren vor der Restaurierung des Gebäudes

[...] Sicher, jede Generation muß sich ihre Umwelt schaffen, was nicht ohne Veränderungen möglich ist. Die klassizistischen Fassaden im Stadtbild sind ja vor alte Häuser gesetzt, um nur ein Beispiel zu nennen. Doch - warum steht die “Villa Schwarze” nicht mehr? Mußten nur, damit die Fensterputzer leichtere Arbeit haben, die Sprossenfenster im Staatshochbauamt entfernt werden? [...] Warum der bauliche “Kahlschlag” in der südlichen Hinterstraße, wo die alten Fachwerkhäuser gleich reihenweise Parkplätzen weichen mußten und der unter Denkmalschutz stehende Bau auf dem Grund eines Burgmannssitzes noch 1979 abgebrochen wurde, um durch einen epigonenhaften, aber profitableren Fachwerkbau ersetzt zu werden, der nur noch “Fachwerkkulisse” ist? Mußten die alten Linden-Alleen “Auf dem Esch”, Bahnhof- und Grafenstraße so rigoros dem Autoverkehr geopfert werden? Hätte der “Münte” nicht eine behutsamere Restaurierung besser zu Gesicht gestanden? [...]

[Horst Schöttler, Schöne Grüße aus Diepholz, 1980

Hinterstraße

Der Burgmannshof Hinterstraße Nr.14 in den 1970er Jahren kurz vor seinem Abriß

>>[...] Unser unmittelbarer Vorgesetzter war damals Hauptamtsleiter Louis Becker. [...] Er hat uns damals nicht nur mit allen Kollegen der Verwaltung bekannt gemacht, sondern auch noch durch die Stadt geführt, um uns sein Diepholz zu zeigen. Die Bahnhofstraße, die noch eine Allee war. Die Lange Straße durch die noch, von keiner Fußgängerzone unterbrochen, der Verkehr lärmte. Geschäfte. Cafés. Der winterliche Park. Das Freibad (geschlossen). Die Münte (verfallen). Die Soldatenwohnungen in der Moorstraße, die damals, weil sie eine soziale Einrichtung waren, noch als etwas Modernes galten. Ein langer Spaziergang, und dennoch waren wir samt allem sich anschließenden Papierkram noch am selben Vormittag fertig. [...]

[...] Und dann sind wir ganze Nachmittage ins Bruch oder an den Dümmer geradelt. Haben oberhalb von Kanälen gepicknickt und sind mit Booten über den See gerudert. (“Nicht so weit hinausbeugen! Die Fische schauen wir uns nachher im Dümmermuseum an!”) [...]

[...] Ab und zu gab es auch mal kleinere Turbulenzen, zum Beispiel wenn ich einen Schriftsteller eingeladen hatte, der als politisch vorbelastet galt. Aber ab einem bestimmten Zeitpunkt lernte ich auch damit zu leben. Das war, als einige “Schwarze” wußten, daß ich ein “Grüner” war, denen ich allerdings zuverlässig für “rot” galt, während es einige Rote bald ganz genau wußten: Ich sei ja so was von reaktionär, schlimmer ginge es nicht. Das sind so Krähwinkeleien, wie sie wohl zu jeder Kleinstadt gehören, denn natürlich ist Diepholz auch keine Milchsuppen-Idylle. Aber sie ist die Stadt geworden, die ich mir aus meinem Leben nicht mehr wegdenken mag und kann. [...]

[Klaus Seehafer, Unterm Schloßturm und umzu, 2005]

Lange Straße

Webtipps:

Topografische Karte von 1897 der preußischen Landesaufnahme jetzt für Niedersachsen flächendeckend im Internet bei der LGN. Ideal für Heimatforscher. Sie können online die historische Karte mit der aktuellen topografischen Karte direkt vergleichen. Klicken Sie zunächst in der Lupenfunktion ganz links auf Maßstab 1:5000 000. Dort zentrieren Sie Diepholz auf Cursor. Ein Klick auf das vorletzte Kästchen der Lupenfunktion zeigt dann die aktuelle Karte 1:25000, ein Klick auf das letzte Kästchen den entsprechendenden Kartenausschnitt auf der historischen preußischen Karte 1:25000. Hier.

 

Die Lange Straße in den 1970er Jahren. Sie war damals noch ein echtes Einkaufszentrum, in dem es “alles” gab, von Feinkost über Fleisch, Gemüse, Elektroartikel, Textilien bis zu Tapeten. Zwar gab es noch keine Fußgängerzone, doch mit ihrem einheitlichen und aufgeräumten Erscheinungsbild und ihrem großen Warenangebot wirkte die Lange Straße erstaunlich städtisch. Das Fachwerkhaus in der Bildmitte vor dem großen Geschäftshaus “Lehnkering” gehörte zu den schönsten und wertvollsten Fachwerkhäusern der Stadt. Es wurde Ende der 70er Jahre, als andere Städte bereits zum Denkmalschutz und zur Erhaltung historischer Bausubstanz übergangen waren, rigoros abgerissen - ein unersetzbarer Verlußt. 

Postkarte

Die Diepholzer Innenstadt auf einer Postkarte aus den 1930er Jahren. Schon damals bestach die Lange Straße durch ihren städtischen Charakter.

AK-Langestraße

Diese Postkarte mit dem südlichen Teil der Langen Straße entstand vermutlich ebenfalls in den 1930er Jahren. Bis auf das Haus ganz links und das von Bäumen verdeckte Haus (heute Löwenapotheke) wurden sämtliche Häuser abgerissen und durch wenig ansprechende Neubauten ersetzt. Bei dem Geschäftshaus ganz links (Ecke Lange Straße / Bahnhofstraße) handelt es sich um die damalige Buchhandlung Berneburg. Das Gebäude wurde später restauriert, dabei das Fachwerk freigelegt. Heute zählt es zu den schönsten Fachwerkhäusern in Diepholz. Die Gartenidylle hinter dem Haus mußte jedoch einem Parkplatz weichen.

>>[...] 1893 konnte Wilhelm Berneburg das günstig gelegene Haus Ecke Lange Straße /Bahnhofstraße erwerben. [...] Das Geschäft wuchs weiter; für die Buchbinderei mußte ein Geselle eingestellt werden, auch der Buchverkauf weitete sich aus. Die Schüler der Präparandenanstalt und dann auch der Mittelschule brauchten manches für den Unterricht. Um die Schulen des Kreises zu beliefern, ging es in der Osterzeit mit dem Landauer auf die Dörfer. Vom literarischen Leben der Zeit nahm man in Diepholz wenig Notiz; zumal das schöngeistige Buch stand bei vielen noch in dem Ruf, unnötger Luxus zu sein. Aber die Hefte aus Reclams Universal-Bibliothek - für je 20 Pfennige - spielten schon ihre Rolle. [...] Daß Diepholz 1935 Flugplatz und Kasernen bekam, brachte einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung; zumal die Offiziere, die vielfach aus der Reichswehr kamen, waren kulturell recht aufgeschlossen. [...] Wenn wir nach den verkauften Büchern in jenen dreißiger Jahren fragen, wird zunächst einmal an manchen Titel des unterhaltenden Schrifttums zu erinnern sein. [...] Von Gulbranssens “Und ewig singen die Wälder” wurden gleich zehn Stück bestellt. [...] Mit der Währungsreform 1948 begann ein Jahrzehnt des erstaunlich schnellen äußeren Aufbaus. [...] Jetzt ging es statt mit dem Landauer anfangs mit einem Fahrrad und dann mit dem Volkswagen zu den Schulen des Kreises. [...] Hinzu kam das Bestreben, der modernen Literatur Boden zu gewinnen; es sei nur Hemingway und Saint Exupéry aber ebenfalls Frischs “Stiller” erinnert. In diesem Zusammenhang standen eine Reihe literarischer Abende im geräumigen Wohnzimmer, die sich beispielsweise mit Borchert, Langgässer und Kafka beschäftigten.[...] In der einfacheren und intimeren Form der Nachkriegsjahre geschah hier, worum sich jetzt die Veranstaltungen des Kulturrings bemühen. [...]<<

[Ernst Berneburg, Vom geistigen Leben einer Kleinstadt, 1974]

Bahnhof

Der Hauptbahnhof in den 1950er Jahren - damals noch rußgeschwärzt.

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Diepholz im Jahre 1939 (vergrößerter Ausschnitt aus der Reichskarte 1:100 000, Scan vom Original aus dem Archiv des Autors). Damals hatte die Stadt 6516 Einwohner (davon 1068 Wehrmachtsangehörige).

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Das Haus “Pommernstraße 5” in den 1950er Jahren

Waschkessel

Waschkessel

Nicht nur der Arbeitskräftebedarf des Fliegerhorst trug nach dem Zweiten Weltkrieg wesentlich zum Anstieg der Einwohnerzahl von Diepholz bei, sondern auch der Zuzug von Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. So betrug die Einwohnerzahl von Diepholz im Jahre 1961 bereits 10918 Einwohner, davon 3594 Vertriebene und Flüchtlinge. Für diese gab es schnell günstiges Bauland. So entstand in den 1950er Jahren beispielsweise “in den Rübengärten” nordwestlich des Kohlhöfen eine neue Siedlung mit neuen Häusern im sogenannten “Heimatschutzstil” der 30er Jahre. Ähnliche Siedlungen entstanden “An der Wätering” und am Triftweg. Die Häuser waren mit großen Gemüsegärten zur Selbstversorgung ausgestattet. Ein in das Haus integrierter “Stall” und eine Waschküche mit Waschkessel schränkte den Wohnraum deutlich ein, so daß es keine Trennung von Wohnstube und Küche, sondern nur eine “Wohnküche” gab. Auch die Kanalisation kam erst ein paar Jahre später. Aber nach nur wenigen Jahren nahmen in der “Wirtschaftswunderzeit” die Hausbesitzer umfangreiche Umbauten vor. Der “Stall” verschwand zugunsten erweitertem Wohnraumes; anstelle der Waschküche wurden moderne Badezimmer eingebaut; Wohnstube und Küche wurden getrennt; wenig später wurden die Gemüsegärten in Rasenflächen und Ziergärten umgewandelt. Eine Selbstversorgung war aufgrund des deutlich gestiegenen Lebensstandards, höherer Einkommen und guter Warenversorgung etwa seit Ende der 60er Jahre nicht mehr erforderlich. Das Originalfoto aus den 1950er Jahren (links) zeigt als typisches Beispiel das Doppelhaus “Pommernstraße 5” in seinem ursprünglichen Zustand (damals noch “Am Tannenbergplatz 1”). Die Holztür am Giebel ist die Stalltür. So gut wie kein einziges Haus ist in seinem ursprüglichen äußeren Zustand mit Sprossenfenstern, Fensterläden und holzverkleideten Dachgauben erhalten geblieben.

 

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Die Lohnstraße in den 1970er Jahren

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Dieses Bild aus den 1970er Jahren zeigt den Durchblick zwischen St.-Nicolaikirche (links) und dem ehemaligen Küster- und Lehrerhaus (rechts) auf die kleinen, auf das 16. Jahrhundert zurückgehenden Burgmannshöfe Hinterstraße Nr. 14a bzw. Nr.14. Burgmannshof Nr. 14a war im 16. Jahrhundert ein Lehnhof des Paul von Hitzfeld, und das direkt daran angrenzende Haus Nr. 14 gehörte der Familie Ledebour. Die beiden Höfe wurden Mitte des 19. Jahrh. von Johann Heinrich Fladdermann vereinigt. 1894 ging das Haus in den Besitz der Gärtnerfamilie König über. Heute steht an seiner Stelle ein Fachwerkneubau aus dem Jahre 1980. 

djh diepholz

In den 1930er Jahren entstand am Willenberg das sogenannte “Hiltler-Jugend Heim”, ein Paradebeispiel für den “Heimatschutzstil” jener Zeit. Dieser Stil war keineswegs eine Erfindung der Nationalsozialisten, eignete sich aber vorzüglich zur Versinnbildlichung ihrer Blut-und-Boden-Ideologie und ihrer Ablehnung der kosmopolitischen Kultur der Städte. “Rückbesinnung auf bäuerliche und handwerkliche Traditionen, Heimat, Treue, Familie, Nation” waren die Leitbegriffe dieser “Heimatschutz”-Architektur. Das “Hitler-Jugend Heim” in Diepholz wurde noch bis in die 1980er Jahre als Jugendherberge genutzt. Das Gebäude steht noch heute, wurde aber Ende des 20. Jahrhunderts sehr stark verändert. 

Ovelgönne

An der Ovelgönne (Bundesstraße 69) entstand 1953-54 eine Reihe von Einzelhäusern in einem besonders regionalisierten Heimatschutzstil (Foto aus den 50er oder frühen 60er Jahren). 

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Infolge des großen Wohnungsbedarfs durch die Reaktivierung des Fliegerhorst und den Zuzug von Heimatvertriebenen entstand ab den 1950er Jahren im Süden von Diepholz ein neues, damals hochmodernes Stadtviertel mit eigener Kirche. Die dem Bauhausstil ähnelnde ev. St. Michaeliskirche wurde 1962 erbaut. Heute hat das Stadtviertel seine einstige Modernität und Qualität eingebüßt; teilweise zählt es zu den sozialen Problemgebieten in Diepholz. (Postkarte aus den 1960er Jahren)

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Die Ledebourstraße ist eine kurze, in der City von der Langen Straße abzweigende Straße. Sie war schon um 1700 vorhanden. Das Foto aus den 1970er Jahren zeigt die damals noch vorhandene historische Bebauung. Typisch für die alten Fachwerk-Stadthäuser von Diepholz war eine angesetzte Stein- oder Putzfassade. Die historischen Häuser auf dem Foto fielen im Zuge der Stadtsanierung in den 1980er Jahren fast alle dem Abrißbagger zum Opfer. Im Hintergrund sieht man das Kontorhaus des Dampfmühlenbetriebes Schwarze aus dem Jahre 1872. In den 1970er Jahren war es noch eine zeitlang eine Art von Jugendfreizeitzentrum. Auch dieses historische Kontorgebäude wurde abgerissen. An seiner Stelle befindet sich heute das neue Rathaus.