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Der Bahnhofstunnel - eine Katastrophe
Zwischen 2009 und 2011 erfolgte der Bau einer Straßenunterführung an der Nordseite des Bahnhofgebäudes, sowie eine umfassende Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes. Eine Unterführung (“Bahnhofstunnel”) sah man wegen der Schließung des beschrankten Bahnüberganges südlich des Bahnhofs am Nährweg als erforderlich an, um den Stadtteil östlich des Bahnhofs an die Innenstadt anzubinden. Der Bahnhofstunnel sollte gleichzeitg als Zugang zu den Bahnsteigen dienen und die alte Treppen-Überführung (“Fußgängerbrücke”) entbehrlich machen. Was dabei herausgekommen ist, kann wohl als millionenschwerer Schildbürgerstreich angesehen werden: Der neue Straßenführung mit dem Tunnel keilt das historische Gebäude regelrecht ein und ist damit in ästhetischer Hinsicht eine Katastrophe. Damit der Tunnel nicht mit Wasser voll läuft, muß dieses ständig in ein 9 Meter höher liegendes Rückhaltebecken gepumpt werden. Der Fahrstuhl, der vom Tunnel aus zum Bahnsteig (Gleise 2 und 3) führt, konnte wegen eines fehlenden Stromanschlusses erst rund 1 Jahr nach Fertigstellung in Betrieb genommen werden. Als er dann endlich fuhr, wurde deutlich, daß die Unterführung alles andere als behindertengerecht ist: Es fehlt nämlich der zweite Fahrstuhl, dieser war und ist gar nicht geplant. Gehbehinderte müssen also, wenn sie von Gleis 2 oder 3 mit dem Fahrstuhl heruntergefahren sind, am Gebäude bei Gleis 1 die Treppe hoch! Oder sie müssen den langen Umweg entlang der Straße nehmen und auch dabei eine beträchtliche Steigung überwinden. Das Ganze natürlich auch in umgekehrter Richtung, in dem Fall gilt entweder “großer Umweg mit Gefälle” oder “Treppe runter”. Diese Planung ist eigentlich ein Schildbürgerstreich, denn ein einzelner Fahrstuhl kann an einem Bahnhof logischerweise keine Barrierefreiheit herstellen.
Damit nicht genug: Wegen der neuen Verkehrsführung mit dem Tunnel ist die Gestaltung des Vorplatztes chaotisch, unübersichtlich und optisch disharmonisch geworden. Eine einheitliche Achse mit der Bahnhofstraße ist kaum noch erkennbar. Das historische Gebäude wirkt darin verloren, es kommt nur noch zur Geltung, wenn man direkt davor steht.
Dabei hätte es durchaus Alternativen gegeben. Beispielsweise hätte man die Straßenunterführung am Nährweg machen können, also dort, wo auch der beschrankte Bahnübergang war. Als Zugang zu den Bahnsteigen hätte man anstelle der alten Fußgängerbrücke eine neue mit Fahrstühlen errichten können, wie man sie z.B. in Bramsche vorfindet.
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