Bahnhof
 
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Das historische Empfangsgebäude (links) und das ehemalige Postgebäude (rechts) des Diepholzer Bahnhof.

Diepholz liegt an der Eisenbahn-Hauptstecke Köln-Münster-Osnabrück-Bremen-Hamburg und ist außerdem der Ausgangspunkt der Strecke Diepholz-Sulingen-Nienburg. Die “Venlo-Hamburger Eisenbahn” - so wurde die Hauptstrecke ursprünglich genannt - wurde 1873 eröffnet. Sie war die kürzeste Verbindung zwischen Hamburg und dem Ruhrgebiet und damit eine der wichtigsten Eisenbahnlinien in Deutschland. Der erste Betreiber der Bahn war die private “Cölln-Mindener Eisenbahngesellschaft”. 1879 übernahm die “Königlich Preußische Staatseisenbahn” die Strecke. Diepholz wurde zum größten Bahnhof zwischen Bremen und Osnabrück (wenn man vom Rangierbahnhof Kirchweyhe absieht) und war D-Zug-Haltepunkt, doch am Ende der 1960er Jahre begann ein allmählicher Abstieg: Bereits 1966 wurde der Personenverkehr in Richtung Sulingen eingestellt, und 1976 der Stückgutverkehr nach Lohne verlagert. Später verlagerte die Deutsche Bahn den Stückgutverkehr komplett auf die Straße. In den 1990er Jahren verlor Diepholz durch die Abschaffung der beliebten Inter-Regio-Züge auch den Schnellzughaltepunkt bis auf die ganz wenigen IC-Halte in den frühen Morgen- und späten Abendstunden. Diepholz wurde dadurch vom Fernbahnhof mehr oder weniger zu einer Art von Vorortbahnhof. Die Regionalzüge fahren allerdings stündlich in beide Richtungen und bieten eine gute Anbindung an die Großstädte Bremen und Osnabrück und somit an den weiteren Fernverkehr. Fernreisende müssen dort umsteigen.

Die ersten Bauten des Diepholzer Bahnhof, die 1873 fertigestellt wurden, waren das Empfangsgebäude, das Postgebäude, ein Güterschuppen, eine Kohle- und Wasserstation, sowie ein Nebengebäude. Davon stehen das Empfangsgebäude, der Güterschuppen und das Postgebäude noch heute. Die Post wurde im Jahre 1905 in das Rathaus verlegt, der Güterschuppen in den 1990er Jahren zur Bahnmeisterei umgebaut. Das prächtige Empfangsgebäude ist wohl das schönste zwischen Bremen und Osnabrück und kann zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gezählt werden. Es wurde im Stil des Historismus mit neogotischen, neoromanischen und neoklassizistischen Elementen sowie reichlich Ornamenten versehen. Obwohl der Diepholzer Bahnhof faktisch kein Fernbahnhof mehr ist, verfügt er noch über ein Reisecenter, eine Bahnhofsbuchhandlung, eine Bahnhofsgaststätte und einen Taxiplatz.

 

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Eingang in die Bahhofsgasttätte im Nordflügel des Empfangsgebäudes

Der Bahnhofstunnel - eine Katastrophe

Zwischen 2009 und 2011 erfolgte der Bau einer Straßenunterführung an der Nordseite des Bahnhofgebäudes, sowie eine umfassende Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes. Eine Unterführung (“Bahnhofstunnel”) sah man wegen der Schließung des beschrankten Bahnüberganges südlich des Bahnhofs am Nährweg als erforderlich an, um den Stadtteil östlich des Bahnhofs an die Innenstadt anzubinden. Der Bahnhofstunnel sollte gleichzeitg als Zugang zu den Bahnsteigen dienen und die alte Treppen-Überführung (“Fußgängerbrücke”) entbehrlich machen. Was dabei herausgekommen ist, kann wohl als millionenschwerer Schildbürgerstreich angesehen werden: Der neue Straßenführung mit dem Tunnel keilt das historische Gebäude regelrecht ein und ist damit in ästhetischer Hinsicht eine Katastrophe. Damit der Tunnel nicht mit Wasser voll läuft, muß dieses ständig in ein 9 Meter höher liegendes Rückhaltebecken gepumpt werden. Der Fahrstuhl, der vom Tunnel aus zum Bahnsteig (Gleise 2 und 3) führt, konnte wegen eines fehlenden Stromanschlusses erst rund 1 Jahr nach Fertigstellung in Betrieb genommen werden. Als er dann endlich fuhr, wurde deutlich, daß die Unterführung alles andere als behindertengerecht ist: Es fehlt nämlich der zweite Fahrstuhl, dieser war und ist gar nicht geplant. Gehbehinderte müssen also, wenn sie von Gleis 2 oder 3 mit dem Fahrstuhl heruntergefahren sind, am Gebäude bei Gleis 1 die Treppe hoch! Oder sie müssen den langen Umweg entlang der Straße nehmen und auch dabei eine beträchtliche Steigung überwinden. Das Ganze natürlich auch in umgekehrter Richtung, in dem Fall gilt entweder “großer Umweg mit Gefälle” oder “Treppe runter”. Diese Planung ist eigentlich ein Schildbürgerstreich, denn ein einzelner Fahrstuhl kann an einem Bahnhof logischerweise keine Barrierefreiheit herstellen.

Damit nicht genug: Wegen der neuen Verkehrsführung mit dem Tunnel ist die Gestaltung des Vorplatztes chaotisch, unübersichtlich und optisch disharmonisch geworden. Eine einheitliche Achse mit der Bahnhofstraße ist kaum noch erkennbar. Das historische Gebäude wirkt darin verloren, es kommt nur noch zur Geltung, wenn man direkt davor steht. 

Dabei hätte es durchaus Alternativen gegeben. Beispielsweise hätte man die Straßenunterführung am Nährweg machen können, also dort, wo auch der beschrankte Bahnübergang war. Als Zugang zu den Bahnsteigen hätte man anstelle der alten Fußgängerbrücke eine neue mit Fahrstühlen errichten können, wie man sie z.B. in Bramsche vorfindet.

 

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Der Bahnhofstunnel ist eine ästhetische Katastrophe. Er wird dem kunsthistorisch wertvollen Gebäude in keinster Weise gerecht. Barrierefreiheit ist nicht hergetellt: Die gesamte Steigung bis zum rechten Bildrand müssen Rollstuhlfahrer überwinden, wenn sie von Gleis 2 mit dem Fahrstuhl heruntergefahren sind und die Treppe an Gleis 1 nicht hochkommen.

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Die Bahnsteige des Diepholzer Bahnhof. Halb rechts ist der Fahrstuhl von Gleis 2 und 3 zu sehen. An Gleis 1 gibt es keinen Fahrstuhl.

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Das ehemalige Postgebäude auf der Bahnsteigseite. Die Post wurde bereits im Jahre 1905 in das Rathaus an der Langen Straße verlegt. Fortan wurde das Gebäude von der Bahn genutzt. Heute (2011) steht es leer. Rechts ist der Aufgang der alten Fußgängerbrücke auf dem Bahnsteig 2 (Gleise 2 und 3) zu sehen.

© Otwin Skrotzki