Barnstorf
 
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Die romanische, im Jahre 1285 erstmals erwähnte St.-Veit-Kirche in Barnstorf liegt auf einem Hügel geschützt vor Hochwassern der Hunte.

Barnstorf ist ein Marktflecken an der Hunte im Norden der Grafschaft Diepholz. Er liegt etwa 15 km nordöstlich der Stadt Diepholz. Zur Samtgemeinde Barnstorf gehören auch die Orte Eydelstedt, Wohlstreck, Donstorf, Dörpel, Aldorf, Dreeke, Düste, Rechtern, Mäkel, Drebber, Cornau, Schmolte und Drentwede. Die Samtgemeinde hat im Jahre 2007 insgesamt 14.074 Einwohner (davon 5920 im Flecken Barnstorf).

Barnstorf gilt als der älteste Ort in der Grafschaft; er wurde bereits 890 erstmals urkundlich erwähnt. Barnstorf gehörte ursprünglich zum Kloster Visbek. Bei der ersten urkundlichen Erwähnung handelte es sich um eine Schenkung von Nahrungsmitteln aus Barnstorf des Abt von Visbek an das Kloster Werden an der Ruhr. Später wurde Barnstorf (das heißt, der dortige Visbeker Oberhof samt Hörigen) dem Kloster Corvey übereignet. Die romanische Pfarrkirche St.Veit zu Barnstorf wurde 1285 erstmals erwähnt. Sie gehörte zur Diözese Osnabrück und innerhalb dieser zum Archidiakonat Mariendrebber. Die Abtei Corvey hatte das Patronat darüber. Im 13. Jahrhundert ging Barnstorf an das Bistum Münster über und wurde dann 1291 von den Edelherren von Diepholz, die hier bereits zahlreiche Besitztümer hatten, übernommen, nachdem der Drost zu Vechta den Edlen von Diepholz die Gerichte zu Drebber, Barnstorf und Goldenstedt überlassen hatte. Seitdem gehört Barnstorf zur Grafschaft Diepholz. Mit der Reformation wurde die St.-Veit-Kirche evangelisch-lutherisch. Wann Barnstorf die Fleckensrechte bekam, ist unbekannt.

  

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Das Innere der romanischen St.-Veit-Kirche

>> Barnstorf, Flecken an der Hunte, an der Osnabrück-Bremer Chaussee und an der Bahnstrecke Osnabrück-Bremen, im nördlichen Teile der Grafschaft, Fleckensgemeinde Barnstorf mit einem Flächeninhalt von 1182 ha, Schulgemeinde, Standesamt und Pf. Barnstorf, 1895 188 Wohnhäuser, Eisenbahnstation, Postamt III, 2 Schulen, Fabrik landwirschaftlicher Geräte, Brennereien, große Molkerei. Von hier ab begleiten Dünenzüge die Hunte. [...]

[...] Da zur Zeit der Gauverfassung von eigentlichen Hoheitsrechten weniger die Rede sein konnte, sondern die Eigentums, sowie die Besitzrechte und die Gerichtsverhältnisse die Hauptsache bildeten, so waren auch diese meistens Gegenstand der Urkunden. [...] Die Abrundung und Vergrößerung des Besitztums hat auch die Edlen von Diepholz, die allerdings schon in früher Zeit hier reiche Besitzungen hatten, zu der eigentlichen Landeshoheit gelangen lassen, und namentlich war es das Gericht zu Südholz, welches früher im Besitz der gleichnamigen Familie war, aber allmählich doch in den Besitz der Edlen von Diepholz kam, welches zu erlangen gesucht wurde. Am Ende des 13. Jahrhunderts wurde damit der Anfang gemacht, indem am 3. Februar 1291 Statius von Sütholz, Drost zu Vechta, dem Edlen Herrn Konrad von Diepholz und dessen Bruder Rudolf die Gerichte zu Drebber, Barnstorf und Goldenstedt versetzte (Dieph. Urkb. Nr.5), diese Gerichte auch von da an bei den Diepholzer Edlen geblieben sind, wenn auch später als Lehn vom Stift Münster. Damit waren die Edlen Herren von Diepholz erst in den vollen Besitz Barnstorfs gelangt.

Um 1530 waren hier die Cordewacker begütert. Später besaßen die von Drebber hier freie Güter, die Anton Heinrich von Drebber von seinen Brüdern und Schwestern käuflich an sich gebracht hatte und am 14. April 1648 an seinen Schwager Hans von Tayen, Vogt zu St. Hülfe, überließ (Rathlef 3 § 9) [...] Auch von dem Orte selbst führte ein Adelsgeschlecht den Namen, von dem u. and. 1469 Alfard von Barnstorf “voget tho Leuenfurde” war (Dieph. Urkb. Nr.362). {...]<<

[H. Gade, Die Grafschaft Diepholz, historisch-geografisch-statistische Beschreibung, 1901]

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Das der Kirche unmittelbar gegenüberliegende sogenannte Keunecke-Haus wurde 1784 erbaut und gilt heute als das älteste, weitgehend im Originalzustand erhaltene Fachwerkhaus in Barnstorf (Fotos von 2010).

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Der Pfarrgarten hinter dem Pfarrhaus. Besonders beachtenswert sind die uralten Koniferen.

Zum wirtschaftlichen Aufstieg trug zweifellos ab Ende des 19. Jahrhunderts wesentlich die Eisenbahnstrecke Osnabrück-Bremen bei. Da nur 2 km westlich Barnstorf das Große Moor (Drebbersches Moor) liegt, mag in Barnstorf früher auch die Torfwirtschaft eine Rolle gespielt haben. Heute ist das bekannteste und wichtigste Unternehmen in Barnstorf die “Wintershall AG” (Gas- und Erdölförderung). Von 1964 bis 2005 war Barnstorf ein recht bedeutender Garnisonsort, was auch wirtschaftliche Bedeutung für den Ort hatte. In der Hülsmeyer-Kaserne war das mit Nike-Hercules-Flugabwehrraketen ausgestattete “FlaRakBtl 25” der Bundeswehr stationiert. Die stationären Abschußbasen der Raketen des Bataillons lagen im Brägeler Moor südlich Vechta, am Stemmer Moor bei Wagenfeld-Förlingen, im Wietingsmoor bei Wietingshausen, sowie nördlich Cloppenburg bei Varrelbusch. Ein Teil der Raketen in jeder der Stellungen war mit atomaren Sprengköpfen ausgestattet. Mit diesen sollte die Bundeswehr im Kriegsfall aus dem Osten anfliegende Flugzeugverbände mit Nuklearexplosionen in großer Höhe über dem eigenen Territorium (!) bekämpfen. Da die Bundesrepublik auf die Verfügungsgewalt über Atomwaffen verzichtet hatte, blieben die Atomsprengköpfe in Friedenszeiten in der Schlüsselgewalt der Amerikaner, die zu diesem Zweck die “42nd USAAD” in Barnstorf - ebenfalls in der Hülsmeyer-Kaserne - stationiert hatte. In den letzten Jahren wurde das Bataillon noch auf rein konventionelle Patriot-Raketen umgerüstet, bis es schließlich 2005 aus Barnstorf abzog. Die Hülsmeyer-Kaserne wird seitdem zum Gewerbepark umgebaut. 

 

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Die Brücke der “Osnabrück-Bremer Chaussee” (B 51) über die Hunte mitten im Ortszentrum von Barnstorf.

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Diese beiden mächtigen Stadthäuser im Stil des Historismus aus dem beginnenden 20. Jahrhundert zeugen vom Aufschwung der Zeit nach dem Eisenbahnbau von 1871. Sie stehen am Barnstorfer Bahnhof (Foto von 2010).

Obwohl Barnstorf als einer der ältesten Orte Niedersachsens gilt, sind außer der Kirche und dem der Kirche gegenüber liegenden, vorbildlich restaurierten Fachwerkhaus, leider nur noch wenig sehenswerte historische Bauwerke zu finden. Auch die alte Kirche wurde von modernen Bauten regelrecht eingekeilt, so daß man lange suchen muß, um überhaupt eine geeignete Perspektive zum Fotografieren der Kirche zu finden, bei der man kein stark verzerrendes Weitwinkelobjektiv braucht. Sehr nachteilig ist auch der kitschige Nachbau einer Schwarzwald-Wassermühle aus dem Jahre 2008 mitten im alten Ortskern in der Nähe der mittelalterlichen Kirche.

 

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Patriot-Raketen-Feuerstellung des “FlaRakBtl 25 Barnstorf” in Wietingshausen-Neuland am Wietingsmoor. Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme (November 2008) war die Stellung bereits seit rund 3 Jahren leergezogen. 

© Otwin Skrotzki

Webtipps:

Zur offiziellen Website der Samtgemeinde Barnstorf geht es hier.

Wintershall. Näheres über das in Barnstorf ansässige Traditionsunternehmen hier.

NATO-FlaRak-Gürtel. Eine ausführliche Geschichte über den Nike-Hercules-FlaRak-Gürtel, zu dem der Bundeswehr-Standort Barnstorf gehörte, finden Sie hier.

Heimatverein Barnstorf. Interessante Informationen und PDF-Dateien aus den Monatsblättern hier

Hotel Roshop (4 Sterne) hier.

Welthaus Barnstorf. Nähere Informationen über das mächtige neoklassizistische Haus am Bahnhof hier.

 

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Restaurierter ehemaliger Speicher in Barnstorf

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Die Helmsmühle an der Aue wurde bereits 1522 urkundlich erwähnt. Damals war sie im Besitz der Edelherren von Diepholz.

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Barocke Gedenktafel in der St.-Veit-Kirche für Johann Friedrich von Bellingk, Brigadier der kurfürstlich hannoverschen Armee. Bellingk ist in Heubach geboren und in Göttingen gestorben. Er war “Erbherr auf Barnstorf”; seine Mutter war eine von Tayen und entstammte den von Drebber. 

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In der kleinen Gutsbrennerei in Donstorf (Rückansicht) wird der hochprozentige “Donstorfer Kümmel” hergestellt.

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Das Gutshaus der Brennerei in Donstorf

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Unmittelbar nordwestlich Barnstorf am Rande des Großen Moor befindet sich das Gut “Vogelsang”, das nicht nur einen klangvollen Namen, sondern auch Geschichte hat. In H.Gades “Die Grafschaft Diepholz” aus dem Jahre 1901 ist zu lesen: >>Vogelsang, einzelne Höfe, Landgem. Rechtern, Schulgem., Pf. und Standesamt Barnstorf, 1895 5 Wohnhäuser, 28 Einwohner. [...] Die Rewilde sind Besitzer oder Lehnträger von Vogelsang gewesen, denn 1518 hat Johann Rewilde dem edlen Herrn Friedrich [von Diepholz] neben andern Gütern, Erben, Zehnten und Holzungen auch Vogelsang überlassen (Dieph. Urkb. Nr.192) 1777 war hier nur 1 Wohnhaus, 1824 deren 3 und 1848 4 Wohnhäuser mit 28 Einwohnern.<<