Das Diepholzer Schloß erhielt sein heutiges Aussehen durch Wiederaufbau im Jahre 1663
Diepholz ist eine Kleinstadt in Niedersachsen. Sie liegt etwa 70 km südlich von Bremen am Naturpark Dümmer, ist Sitz des Landkreises Diepholz und hat rund 16500 Einwohner.
Diepholz entstand im 12. Jahrhundert mit dem Bau der Burg und war dann bis ins 16. Jahrhundert Sitz der Edelherren/Grafen der Grafschaft Diepholz, später Amt des Kurfüstentums/Königreichs Hannover, dann preußisches Landratsamt und schließlich Sitz des niedersächsischen Landkreises Diepholz.
Der Name “Diepholz” entstand aus “div-broc”, was frei übersetzt etwa “schwankendes Bruch” heißt. So nannte man im 12. Jahrhundert die von Bruchwäldern und Mooren geprägte Region, in der Edelherren die Wasserburg errichteten, um welche die Stadt Diepholz entstand. Aus “div-broc” wurde “Thefholte” und daraus schließlich “Diepholz”. Die Stadt erhielt bereits 1380 das Osnabrücker Stadtrecht, wurde im Zeitalter des Absolutismus zu einem Flecken heruntergestuft, erhielt aber 1929 die Stadtrechte erneut.
Diepholz ist mehr eine Verwaltungs- als eine Industriestadt. 65% der Beschäftigten arbeiten im Dienstleistungssektor, nur 35% im produzierenden Gewerbe (Stand von 2005). Die wichtigsten Arbeitgeber sind die Behörden und die Garnison (Fliegerhorst Diepholz), aber auch die metallverarbeitende Industrie (ZF Lemförder Fahrwerktechnik und Schöma-Lokomotiven), die Kunststoffindustrie (Omega, P&S und andere), die Herstellung von Naturkost (Lebensbaum Naturkost) und die Tonträger-Produktion (Pallas) spielen eine bedeutende Rolle. Etwa 10% der Einwohner sind Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion.
Buchtipps:
Wilfried Gerke: “Wo einst das Moor die Grenze war - eine Geschichte von Diepholz” Schröderscher Buchverlag Diepholz, ISBN 3-89728-031-0
Wilfried Gerke: “Diepholz in alten Ansichten”, Europäische Bibliothek Zaltbommel/Niederlande, D ISBN 90 288 6504 7
Horst Schöttler: “Schöne Grüße aus Diepholz”. Sammlung historischer Bildpostkarten aus Diepholz mit Kommentaren und Erinnerungen. Herausgegeben im Jahre 1980 von der Buchhandlung Ferdinand Schöttler. Kein Verlag, keine ISBN.
Emil Johannes Guttzeit: “Geschichte der Stadt Diepholz”. Ausführliches Standardwerk über die Frühgeschichte der Stadt von den Anfängen bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Schröderscher Buchverlag Diepholz, ISBN 3-89728-007-8
Emil Johannes Guttzeit: “Diepholz und seine Straßen”. Kurze Geschichte der Stadt und die Geschichte jeder einzelnen Straße. Erschienen im Jahre 1954. Verlag Schrödersche Buchdruckerei, Diepholz, keine ISBN.
Klaus Seehafer: “Unterm Schlossturm und umzu”. Diepholzer Geschichten und Berichte, Ansprachen und Fürsprachen. Schröderscher Buchverlag Diepholz, ISBN 3-89728-061-2
Wilfried Gerke: “Die Reihe Archivbilder: Diepholz” Bildband mit 200 Fotos aus dem Diepholz vergangener Zeiten. Sutton Verlag Erfurt, ISBN 978-3-86680-494-4
Wilfried Gerke: “Diepholz - Eine Kreisstadt im Wandel der Zeiten” Die Geschichte von den Anfängen bis heute. Schröderscher Buchverlag Diepholz, ISBN 978-3-89728-066-3
Das Rathaus in Diepholz wurde 1904-05 erbaut.
Typisch Diepholz?
Die Diepholzer sind zurückhaltend, unglaublich konservativ, ländlich und stark auf ihr Vereinsleben bezogen. Grüppchen, Gruppen und Vereine spielen im Leben der Diepholzer eine oft ungewöhnlich große und zentrale Rolle. Ist man in keinem Verein, bekommt man leicht den Eindruck von einer “geschlossenen Gesellschaft”, was vielen die Identifikation mit ihrer Stadt erschwert. Innerhalb dieser Grüppchen sind die Diepholzer aber sehr gesellig.
>> [...] Überhaupt das Vereinsleben! Es hat einen so gewaltigen Aufschwung genommen, dass sich hier die Aufzählung verbietet. Schon lange gibt es mit “Diepholz aktuell” einen Veranstaltungskalender, der die Existenz dieser Gemeinschaften seitenweise dokumentiert. [...] Das Spektrum der Vereine reicht von der Sportgemeinschaft und dem Heimatverein über die Chöre bis zu vielen kleineren, die sich an Philatelisten, Geflügelzüchter, Imker, Bogenschützen und andere Hobbyfreunde wenden. Die vielfältigen Vereine schaffen sozusagen eine Kommunikationsstruktur, durch die man sich mit seinem Heimatort stärker identifizieren kann [...]<<
[Zit.: Wilfried Gerke, Wo einst das Moor die Grenze war, 1999]
>> Jeder eingesessene Diepholzer hatte vor 25 Jahren, genauer gesagt im Winter des Jahres 1976, seine festen Anlaufpunkte. Er hatte seine Verwandschaft hier wohnen, konnte zu Freunden und Nachbarn gehen. Er kannte genau das Gefüge von Feierlichkeiten und Festivitäten. Er war in einem der vielen Vereine organisiert und wusste somit, wann sein Mitglieder- oder Sportabend war. Wir aber, meine Frau und ich, waren eben erst hergezogen, saßen in einer halbleeren und noch mäßig gemütlichen Wohnung und mussten sehen, dass wir einigermaßen warm wurden mit dieser fremden Stadt. [...]<<
[Zit.: Klaus Seehafer, Schriftsteller, Unterm Schloßturm und umzu]
Einzelhandel
Im historischen kompakten Stadtkern befindet sich eine Fußgängerzone mit zahlreichen Fachgeschäften. Im Winter ist in der City jedoch Vorsicht geboten: Wegen der Pflasterung mit sehr glatten Steinen besteht oft Rutschgefahr auch wenn gestreut ist. Seit einigen Jahren prägen viele aufgegebene Geschäfte mit leeren Schaufenstern das Bild besonders im Nordteil der Langen Straße. Es ist in Diepholz nicht zu übersehen: Die Läden sind vielfach zu klein, die Ladenmieten offenbar viel zu hoch, die Nachfrage nach hochwertiger Ware gering, die Konkurrenz durch die Nachbarstädte und das Internet groß, somit der Leerstand sehr hoch, mit steigender Tendenz. Die sterbende Innenstadt ist zu einem Dauerthema geworden. Hinsichtlich Supermärkte und Discounter besteht in Diepholz hingegen ein Überangebot. Das erklärt auch die statistische ungewöhnlich große Verkaufsfläche je Einwohner in Diepholz. Die wenigen Highlights des Diepholzer Einzelhandels, die es zweifellos auch gibt, können die Probleme nicht kompensieren. Ein großes “Einkaufszentrum auf der grünen Wiese” wurde bisher wegen der vermeintlichen Konkurrenz zur Innenstadt verhindert (in Vechta hat ein solches der dortigen Innenstadt nicht geschadet). Viele Diepholzer fahren deshalb zum Einkaufen in die Nachbarstadt Vechta, in die 50 km entfernt liegende Großstadt Osnabrück oder nutzen zum Einkauf das Internet.
Soziale Lage
Hinzu kommt, daß das durchschnittliche Kaufkraftniveau der Diepholzer relativ niedrig ist. Die Kaufkraft (das durchschnittliche jährliche Gesamt-Nettoeinkommen je Haushalt) betrug laut der “Bertelsmann-Statistik” im Jahre 2008 in Diepholz 38.757,0 EUR gegenüber 41.799,0 EUR in der Nachbarstadt Vechta. Der Anteil der Haushalte mit niedrigem Einkommen (Haushalte mit einem monatlichen Gesamt-Nettoeinkommen unter 1100 EUR) betrug im gleichen Jahr in Diepholz 14,6%. Laut einer Zeitungsmeldung sind im Mai 2008 in Diepholz 450 Bedürftige bei der Lebensmittelausgabe und Armenspeisung an der St.Michaelis-Kirche registriert (“Diepholzer Platte plus”), was bedeutet, daß trotz bundesweiter wirtschaftlicher Konjunktur mindestens rund 2,7% der Einwohner von Diepholz in so bitterer Armut leben, daß sie Lebensmittelspenden in Anspruch nehmen müssen. 13,1% der Diepholzer sind laut der “Bertelsmann-Statistik” im Jahre 2008 Hartz-IV-Empfänger nach SGB II, leben also am Existenzminimum. Die Quote der Kinderarmut (Anteil der unter 15-Jährigen, die Sozialgeld nach SGB II erhalten) beträgt im gleichen Jahr in Diepholz gar 21,7%. Dies sind aber vor allem Auswirkungen der neoliberalen Bundespolitik auf Diepholz, die unter Bundeskanzler Schröder (SPD) eingeleitet wurde und unter der “schwarz-gelben” Bundesregierung ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte, damit ein Problem, das nicht unbedingt diepholz-spezifisch ist.
Das gastronomische und kulturelle Angebot ist in Diepholz nicht wesentlich anders als in durchschnittlichen anderen Städten dieser Größenordnung. Hinsichtlich der Gastronomie hatte es mit der Neueröffnung des Edelrestaurant “Die Münte” im September 2008 eine Verbesserung gegeben. Ende 2010 hat dieses Restaurant mangels Gästen jedoch wieder geschlossen, 2011 unter einem neuen Pächter aber wieder eröffnet. Chinesische, italienische und griechische Restaurants gibt es ausreichend. Es fehlt jedoch in Diepholz ein zeitgemäßes und modernes Hotel mit Tagungsräumen und allem was dazugehört. Die Bedienung dieses Marktes wurde in Diepholz verschlafen und schon vor Jahren von kleineren Gemeinden der Region übernommen.
Webtipps:
Fliegerhorst. Der größte Arbeitgeber in Diepholz ist die Bundeswehr. Mehr unter der entsprechenden Rubrik dieser Website hier.
Diesellokomotiven. Eine lange Tradition hat in Diepholz der Bau von Werkbahn-, Feldbahn- und Grubenlokomotiven. Mehr.
CD-Produktion. Ein weiteres Diepholzer Traditionsunternehmen ist die Schallplatten- und CD-Fabrik “Pallas”. Hier.
Naturkost. Zu den großen jüngeren, überregional bekannten Diepholzer Unternehmen zählt “Lebensbaum Naturkost”. Hier.
Metallindustrie. Der heute wohl wichtigste Arbeitgeber der Metallindustrie in Diepholz ist die “ZF Lemförder Fahrwerk-Module GmbH”. Zur Website des Konzerns geht es hier.
Kunststoffindustrie. Ein bedeutender Sohn der Stadt ist der Pionier der Kunststoffindustrie Fritz Klatte (1880-1934). Klatte erfand einen Produktionsprozeß für Polyvinylchlorid. Heute spielt in Diepholz die Kunststoffindustrie mit mehreren Unternehmen dieser Branche eine wichtige Rolle. Ein Beispiel finden Sie hier.
Fachhochschule. Auf der privaten Fachhochschule in Diepholz kann man Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen studieren. Mehr.
Kulturprogramm. Einen Überblick über das Programm des Kulturring Diepholz bekommen Sie hier.
Bahnhof Diepholz. Die Geschichte des Diepholzer Bahnhof hier.
Touristinformation über Anfahrt, Unterkünfte, Veranstaltungen usw. erhalten sie auf der bunten Touristik-Werbeseite hier.
Regionles Entwicklungs-Management des Landkreises. Hier.
Heimatverein Diepholz. Museum, Schloßturmbesteigungen, Führungen, heimatkundliche Exkursionen etc. hier.
Ausflugsziele in der weiteren Umgebung finden Sie beim Stöbern in meinem Blog.
Altstadt-Impressionen aus Diepholz
Buchhandlung Schöttler (geschlossen), Foto von 2011. Näheres darüber in der Rubrik “Alte Bilder”
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Diepholz sind das mittelalterliche Schloß (im 30-jährigen Krieg teilweise zerstört und im 17.Jahrh. neu aufgebaut) mit einem kleinen Museum im Turm, die klassizistische St.-Nicolai-Kirche (frühes 19. Jahrh.), die Münte und andere alte Burgmannshöfe, Ackerbürgerhäuser in der Hinterstraße, sowie die malerische Lohnstraße mit ihren historischen Häusern. Zur Hinterstraße muß jedoch gesagt werden, daß nur ein einziges Ackerbürgerhaus innerhalb einer Dreiergruppe recht gut restauriert wurde, die anderen hingegen sind - ebenso wie das Ärztehaus - wenig ansprechende, epigonenhafte Neubauten. Touristisch bedeutend sind außer den Sehenswürdigkeiten der Stadt besonders der Dümmer See sowohl wegen seiner Wassersportmöglichkeiten, als auch seiner Naturschutzgebiete. Aber auch die um den Dümmer liegenden Niedermoore und Bruchs, sowie die renaturierten Hochmoore mit ihrer eigentümlichen Pflanzen- und Tierwelt sind besonders etwas für den naturkundlich interessierten Besucher. Ein hervorragend ausgeschildertes Radwegenetz lädt Radwanderer ein, die Moor- und Bruchlandschaft mit ihren Sehenswürdigkeiten zu erkunden und zu erleben. Eine weitere Besonderheit sind die zahlreichen Kanäle und Flüsse, die gerne von Wasserwanderern per Kanu genutzt werden.
Die Bahnhofstraße ist der schnurgerade ca. 0,5 km lange Verbindungsweg zwischen der City und dem Bahnhof. Die Straße wurde im Jahre 1873 fertiggestellt. Sehr markant sind noch erhaltene, teils neoklassizistische Stadthäuser aus jener Zeit, sowie zwei alte, um 1900 erbaute Schulen im Stil des Historismus. Das gelblich gestrichene Haus in der Mitte stammt aus dem Jahre 1913 und war früher die Kreissparkasse, dann Standortverwaltung. Ganz im Hintergrund des Bildes ist das Bahnhofsgebäude zu erkennen (Foto von 2009).
>> Wenn man allein ist, können Sonntage in der Kleinstadt noch immer zu Bewährungsproben werden. Das ist hier in Diepholz nicht anders als sonstwo, und nach Sonstwo hatte es mich in meinem Leben ja schon oft genug verschlagen. Immer in kleine Kreisstädtchen merkwürdigerweise, mit ihrer mächtigen Sonntagnachmittagsruhe, bei der alles Geräusch wie von weither kommt. Kinderrufen, Hundegebell, Autos auf der Umgehungsstraße, das schrille Quietschen der Eisenbahnschienen [...] Später gehe ich die leere, weite Bahnhofstraße hinauf, diesen Boulevard-Stumpen, der die Lange Straße mit dem Bahnhof verbindet und dort auch gleich endet. Leer, weit und sonnenüberflutet liegt sie da. Und dann muß ich immer denken, daß ich hier stehe wie bereit zum letzten Schußwechsel: “High Noon” oder so, und von ganz hinten, von der Kreuzung her, müßte jetzt der andere kommen, der im schwarzen Leder [...]<<
[Zit.: Klaus Seehafer, Schriftsteller, “Unterm Schloßturm und umzu”]
Von diesem Fachwerkhaus-Ensemble an der Hinterstraße ist nur das traufständig zur Straße stehende Haus ein restauriertes Originalgebäude. Die anderen Gebäude sind Neubauten aus den 1980er Jahren. Früher war die Hinterstraße eine mit uralten Ackerbürgerhäusern eng bebaute Kopfsteinpflastergasse. Anfang der 1980er Jahre erfolgte ein unglaublicher Kahlschlag der historischen Bausubstanz. Die heutigen Neubauten wirken zwar ganz nett, aber im Vergleich zu restaurierten Original-Häusern doch etwas steril und “künstlich”. (Foto von 2009)
Anstelle des alten, denkmalgeschützten Burgmannshofes “Hinterstraße Nr.14” (zuletzt “Blumen König”) wurde in den 1980er Jahren ein Fachwerk-Neubau errichtet. Links im Bild das ehemalige Küster- und Schulgebäude aus dem 17. Jahrhundert.
Stadtrat Diepholz, vorläufiges amtliches Endergebnis der Kommunalwahl 2011 vom 11.09.2011
CDU
SPD
Die Grünen
FDP
Die Linke
Wahlbeteiligung
45,1%, 13 Sitze (-3)
32,6%, 10 Sitze (-1)
11,1%, 3 Sitze (+2)
9,1%, 3 Sitze (-1)
2,1%, 1 Sitz (+1)
49,66%
Angaben ohne Gewähr, Quelle: Diepholzer Kreisblatt vom 12.09.2011
Hier eine Diashow über das winterliche Diepholz. Dauer rund 5 min: