Diepholz modern
 
Diepholz 021

Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke entstand vermutlich in den 80er oder 90er Jahren (Foto von 2010)

Nach der Bausünde des Neuen Rathauses entstanden in Diepholz in der Folgezeit ein paar durchaus ansprechende und sehenswerte moderne Bauten. Zu diesen zählt zweifellos das an den Bauhausstil der 1920er Jahre anknüpfende Verwaltungsgebäude der Stadtwerke GmbH. Die Stadtwerke sind für die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser zuständig, was in den Farben und Elementen des leicht und luftig wirkenden Gebäudes abstrahiert zum Ausdruck kommt.

Ein weiterer interessanter Bau ist die neue Mediothek (Bibliothek). Ob hier mit Stilelementen, welche die Funktion des Gebäudes in symbolischer Form zeigen sollen, zu dick aufgetragen wurde, ist letztlich eine Geschmacksfrage. Ein sehenswertes, interessantes Gebäude ist es allemal. Das Klinkerdekor soll ein aufgeschlagenes Buch symbolisieren. In dem darüber hinausragenden runden Teil des Gebäudes kann der Betrachter mit etwas Phantasie vielleicht einen CD-Stapel oder einen Festplattenturm erkennen, und in dem roten Eingangstrichter vielleicht einen Lautsprecher.

Nach dem großen Kahlschlag historischer Bausubstanz bei der Altstadtsanierung in den 1980er Jahren entstand auf einem ehemaligen Hinterhof an der Ecke Langestraße/Steinstraße der Gänsemarkt, ein kleiner moderner Platz mit künstlichem Altstadtambiente. Trotz seiner Kulissenhaftigkeit wirkt der Gänsemarkt recht gemütlich, die Draußen-Sitzplätze des Bistro und Café sind sehr beliebt. Der Gänsemarkt ist von der City durch zwei kleine Passagen, und von der Lohnstraße durch eine Tür erreichbar, weshalb er von Ortsunkundigen leicht übersehen wird. Eine der Passagen ist glasüberdacht und mit erstklassigen Läden (Bioladen und Gemüse) ausgestattet. 

Nach zwei “Schildbürgerstreichen” in der City (Baumfällaktion und Aufpflasterung der Ecke Lagestraße/Bahnhofstraße/Steinstraße) hat man offenbar dazugelernt, und im Jahre 2010 das Bremer Eck auf eine ansprechende, vorbildliche und interessante Weise umgestaltet. Das neue Bremer Eck ist gelungen und hat eine sehr hohe Akzeptanz in der Bevölkerung.

Diepholz 020

Stadtwerke: Stilelemente, welche die Funktion der Stadtwerke abstrahiert zum Ausdruck bringen.

Diepholz 221

Die neue Mediothek wurde im Jahre 2010 erbaut (Foto vom November 2011).

Diepholz 223

Zeitgleich mit der Mediothek entstand der Neubau des Graf-Friedrich-Gymnasiums, der Elitenschmiede von Diepholz.

Diepholz 032

Der Gänsemarkt lädt auch im Winter zum Draußensitzen ein (Foto vom November 2010)

Diepholz 016

Das im Jahre 2010 neu gestaltete Bremer Eck. Hier lief einst der gesamte Autoverkehr aus allen vier Himmelsrichtungen zusammen. Zuletzt war der Lkw-Verkehr derart angewachsen, daß dieser die Stadt quasi in zwei Teile zerschnitt. Mit der Fertigstellung der Ortsumgehung konnte der Bereich endlich verkehrsberuhigt werden. An die Stelle der großen Ampelkreuzung trat ein Kreisverkehr mit einem interessanten Rank-Gerüst in der Mitte, ein echter “Hingucker”. (Foto vom November 2010)

Diepholz 131

Das in den 1980er Jahren erbaute Neue Rathaus ist eher eine “Bausünde”, wird aber durch die Skulptur “Countdown” von Hans-Albert Walter aufgewertet.

Diepholz 235

Die Stahlskulptur “Trilogie” von Herbert Bodzin an der Berufsschule gehört neben dem Rathausbrunnen von Walter zu den echten Kunstwerken der “Kunst im öffentlichen Raum” von Diepholz.

AK.Kreishaus2

Diese Postkarte aus den 1950er Jahren mit dem Kreishaus zeigt etwas vom Beginn der modernen Gegenwartsarchitektur nach dem Zweiten Weltkrieg in Diepholz. Vor dem Krieg befand sich die Kreisverwaltung neben dem Amtsgericht im Schloß. Mit dem Start der neuen Demokratie nach 1945 wurde in Diepholz ein entsprechendes, angemessenes separates Gebäude errichtet, das stilistisch vom Bauhausstil der 1920er Jahre abgeleitet ist. Es steht noch heute, wurde aber durch unsensible Modernisierungen seiner einstigen Symbolik und Wiklung aus Stilreinheit, Klarheit, Helligkeit, Offenheit und Leichtigkeit weitgehend beraubt. Es ist heute kaum wiederzuerkennen.  

© Otwin Skrotzki