Drebber
 
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Die gotische Marienkirche zu Mariendrebber

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Grabmal des Diepholzer Grafen Friedrich in der Marienkirche

Nordöstlich der Stadt Diepholz liegen auf der Diepholzer Talsandplatte (einer Art von Landzunge zwischen Hochmooren, den Kellenberger Moränen und der nordöstlichen Dümmer-Niederung) einige sehr alte, auf das Mittelalter zurückgehende Dörfer. Zu ihnen gehört die Ortschaft Drebber, die sich aus den beiden durch die Hunte getrennten Dörfern Mariendrebber und Jacobidrebber, sowie dem Flecken Cornau, einem Burgstandort der Edelherren von Diepholz, zusammensetzt. Heute hat Drebber knapp über 2900 Einwohner und ist Teil der Samtgemeinde Barnstorf.

Drebber (Thriburi) wurde bereits im Jahre 980 wegen der Gütervergabe eines von drei Höfen durch Kaiser Otto II. erwähnt. Mit “Thriburi” (= drei Bauern) sind die drei Güter samt Hörigen gemeint, aus denen später die Dörfer Marien- und Jacobidrebber hervorgegangen sein sollen.

Die heute evangelisch-lutherische Marienkirche zu Mariendrebber wurde um 1140 erbaut und war ab 1281 eine Stiftskirche des Bistums Osnabrück. Sie war außerdem die Hauptkirche und Begräbnisstätte der Grafen von Diepholz; in Diepholz wurde erst 1806 an der Stelle einer kleinen Kapelle aus dem 16. Jahrhundert eine Kirche - die heutige St.-Nicolai-Kirche - erbaut. In der Marienkirche zu Mariendrebber befindet sich das Grabmal des Grafen Friedrich von Diepholz aus dem Jahre 1582. Nach dem Tod dieses letzten Grafen ging die Grafschaft an das Haus Braunschweig-Lüneburg der Welfen über. Eine weitere Besonderheit in der Marienkirche ist die außerordentlich alte Orgel. Mit großer Wahrscheinlichkeit stammt sie noch aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg. 1659 wurde sie umgebaut, 1721 restauriert, und 1991 noch einmal renoviert.

 

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Die Orgel der Marienkirche zu Mariendrebber

>>[...] Diese drei Höfe, welche den Ursprung des nachherigen Drebber bildeten, waren aber nicht etwa gewöhnliche kleinere Stellen, sondern bedeutende Höfe (Kurien), welche wieder viele andre von Hörigen bebaute Stelle unter sich und davon erhebliche Einkünfte an Korn, Vieh, Geld, Honig etc. hatten. Von besonderer Wichtigkeit war der von der Edlen Gysla an den Bischof von Osnabrück abgetretene Hof nebst der Hälfte der Kirche, denn eben daraus werden sich die späteren Verhältnisse entwickelt haben. Von großer Bedeutung war ferner für den Ort sowohl, wie für die ganze Gegend, namentlich für die kirchlichen Verhältnisse, die durch den Bischof Konrad von Osnabrück mit Zustimmung der Edlen Rudolf und Konrad von Diepholz am 1. März 1280 erfolgte Stiftung der Präpositur zu Mariendrebber. [...] Hinsichtlich der bis dahin hier vorhandenen Kirche, deren eine Hälfte neben einem der hiesigen drei großen Höfe die Dame Gysla 1085 an den Bischof Benno zu Osnabrück abgetreten hatte, ist nicht erwiesen, wem die andre Hälfte gehört hat; doch werden es zweifellos die Edlen von Diepholz gewesen sein. .<<

[H.Gade, Die Grafschaft Diepholz, historisch.geographisch-statistische Beschreibung, 1901]

Vermutlich ist es auf eine Einigung zwischen dem Bischof von Osnabrück und dem Edelherren von Diepholz zurückzuführen, daß letzterer Mariendrebber als Probstei dem Bischof komplett überließ und dafür eine selbstständige Pfarre in Jacobidrebber (Ostdrebber) errichten konnte. Die heute evangelisch-lutherische St.-Jacobi-Kirche in Jacobidrebber wurde 1280 erstmals erwähnt. Sie war ürsprünglich wie die Marienkirche in Backsteingotik ausgeführt, der Turm aus Feldsteinen. Der gotische Stil wurde jedoch durch spätere Veränderungen, Verputz und weißem Anstrich verwischt. Das Innere der Kirche ist sehr stark vom Barock geprägt. Eine Besonderheit sind die restaurierten Deckengemälde aus dem 15. Jahrhundert.

 

Die St.-Jacobi-Kirche zu Jacobidrebber

>>Ob auch ein altes Adelsgeschlecht, v. Drebber, das den Namen des Ortes führte, wie es wahrscheinlich ist, hier seinen Sitz gehabt hat, ob dieser Sitz - Burg oder Hof - auf einem der hiesigen Höfe gewesen ist, den sie etwa zu Lehn inne hatten, ob dies zu Marien- oder Jakobidrebber war, darüber findet sich nichts. Jedenfalls haben die v. Drebber hier Besitzungen gehabt, denn am 12. November 1357 haben dieselben dem Kloster Burlage den halben Zehnten eines Hauses zu Drebber verkauft (Dieph. Urkb. Nr. 333). In späterer Zeit war diese Familie in der Grafschaft noch vielfach begütert, u. a. auch in Barnstorf, und hat in neuerer Zeit ein großes Gut in Drakenburg im Hoya’schen gehabt, welches zum Zweck einer Erbteilung 1888 verkauft und vereinzelt ist. [...] .<<

[H.Gade, Die Grafschaft Diepholz, historisch.geographisch-statistische Beschreibung, 1901]

Die Diepholzer Talsandplatte mit dem Huntetal, auf der Drebber liegt, war zwar durch Flugsanddecken, Dünenfelder und flachmoorige Niederungen geprägt, doch bot der Ackerbau hier seit Jahrhunderten relativ zufriedenstellende Erträge. Nördlich Drebber schließt sich mit dem “Großen Moor”, zu dem auch das Drebbermoor oder Drebbersche Moor gehört, eines der größten Hochmoorgebiete des Landkreises an. Somit spielte für Drebber früher auch die Torfwirschaft eine Rolle.

 

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Das Rittergut “Pauley” in Jacobidrebber (Foto von 2009)

Pauley

Das 500 m östlich dem Ortskern von Jacobidrebber liegende Gut Pauley machte im Jahre 1585 die Gräfin Margarete von Diepholz dem Diepholzer Landrichter Joachim Vieth zum Geschenk. Vieth verkaufte es Ende des 16. Jahrhunderts dem Diepholzer Burgmann Paul von Hitzfeld. Wegen des Vornamens “Paul” nannte man das Gut fortan “Pauley”. 1614 verkaufte es die Familie von Hitzfeld dem Drebbermüller. Später taucht in Drebber zwar auch der Familienname “Pauley” auf, doch die weiteren Besitzverhältnisse des landtagsfähigen Rittergutes Pauley in jener Zeit sind bis heute nicht genau geklärt. Erwiesen ist aber, daß es im 18. Jahrhundert zumindest zweimal den Besitzer wechselte (erst Familie Thiesing, dann Tengermann) und schließlich durch Kauf an die Familie Knüpling gelangte. Vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg betrieb Dr. Heinrich Knüpling, der auch Landtagsabgeordneter war, außer dem Gut Pauley eine Bierbrauerei in Jacobidrebber. Die Brauerei befand sich direkt an der heutigen B 51 und wurde nach dem Krieg abgerissen. Dr. Knüpling wohnte nicht auf dem Gut Pauley, sondern in einem Herrenhaus gegenüber der Brauerei. In den 1960er Jahren begannen die Knüpling-Erben mit dem stückweisen Verkauf der Ländereien. Bei dem heutigen Hof Pauley mit dem Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert handelt es sich um einen kleinen, erhalten gebliebenen Rest des ursprünglichen stattlichen Rittergutes. 

Cornau

Nur wenige Kilometer nordöstlich Jacobidrebber liegt an der B 51 die kleine, zu Drebber gehörende Ortschaft Cornau, die als Standort einer Burg der Edelherren von Diepholz schon im Mittelalter die Fleckensrechte bekam. Cornau gilt als der älteste und kleinste Flecken der Grafschaft Diepholz. Der Ortsname geht auf “Konowe” zurück und bedeutet übersetzt etwa “Konrads Aue”. Die Burg der Edelherren von Diepholz befand sich nahe dem Zusammenfluß von Dadau und Hunte. Die in der älteren Geschichtsschreibung oft vertretene These, die Burg Cornau sei Stammsitz der Grafen von Diepholz gewesen, gilt heute als kaum noch haltbar. Urkundlich nachweisbar ist der Cornauer Grundherr Gottschalk, ein Bruder der Edlen Gysla, der als Stammvater der Edlen von Diepholz gilt. Ob die Edlen von Cornau aber überhaupt eine steinerne Burg in Cornau als Sitz hatten, bevor sie die Burg in Diepholz bauten, ist nicht erwiesen. Als sicher gilt nur, daß die Burg Cornau - die vermutlich der Absicherung ihres Territoriums nach Norden diente - im 13. und 14. Jahrhundert bestand, und zeitweise auch Wohnsitz von Familienangehörigen der Edlen von Diepholz war. Bereits im 15. Jahrhundert wurde sie nicht mehr gebraucht, verfiel und diente als Steinbruch zum Bau der Auburg in Wagenfeld. Die Burg Cornau verschwand spurlos. Auf dem Platz des Wirtschaftshofes der Burg direkt neben dem Burgstandort steht jedoch auch heute noch ein Bauernhof, das “Gut Cornau”. Graf Rudolf von Diepholz schenkte den Wirtschaftshof 1548 seinem Hofmeister Jürgen Scherz, der mit Elisabeth Voß verheiratet war. Später gelangte er durch Kauf an Rudolf Voß, den Bruder der Elisabeth. Es handelte sich um Angehörige der Familie Voß (später von Voß), der auch die Münte in Diepholz gehörte. Durch Heirat gelangte das 25.01.09 001adelig-freie Gut Mitte des 17. Jahrhunderts an die Familie Spradau. Ende des 19. Jahrhunderts fand dann ein Besitzerwechsel statt. Die neuen Eigentümer waren die Eheleute Herrmann Diedrich Meyer und Dorothea Wilhelmine Magdalene, geb Helms, die als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen war. Durch Heirat gelangte es dann später an die Familie Rensmeyer. Mit seinen stark veränderten und modernisierten Gebäuden ist der Hof heute leider nicht mehr als Gut mit einer bedeutenden Vergangenheit zu erkennen. Es existiert auf dem Hof aber noch ein alter Fachwerkstall aus dem Jahre 1898 mit einer Balkeninschrift, die “F. Spradau” als Baumeister nennt. Vermutlich gab es enge oder verwandschaftliche Beziehungen zwischen den Familien Helms und Spradau. Dieser Fachwerkstall mit der Inschrift ist die einzige, heute noch erhaltenene Spur, die in die Vergangenheit Cornaus als Guts- und Burgstandort führt.

 

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Winterliche Flußlandschaft an der Hunte in Cornau. Ganz links im Bild sieht man das heutige Gut Cornau, das auf den ehemaligen Wirtschaftshof der Burg zurückgeht. Die Burg stand aus dieser Perspektive gesehen links vom Wirtschaftshiof. Bei den durch Bäume halbverdeckten Häusern handelt es sich um den Ortskern von Cornau an der B 51 (Foto vom Januar 2009).

Bahnhof Drebber

Zwischen den Ortschaften Jacobidrebber und Cornau liegt der Bahnhof Drebber mit der gleichnamigen kleinen Siedlung. Der Bahnhof entstand 1872 mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Köln-Osnabrück-Bremen-Hamburg. Am 17.09.1872 wurden hier in einem feierlichen Akt die Eisenbahnschienen aus nördlicher und südlicher Richtung mit einem “goldenen Nagel” zusammengefügt; eine Geschichte, die heute ein wenig an alte Wildwest-Filme erinnern mag. Der Bahnhof Drebber verfügte außer über ein Empfangsgebäude im historisierenden preußischen Einheitsbaustil auch über einen Güterschuppen, Lagerplätze und eine Ladestraße mit Verladerampe. In den 1980er Jahren wurde der Haltepunkt aufgehoben, der Bahnhof geschlossen, die Bahnsteigkante weggerissen, und die neun Nebengleise rückgebaut. Bis zur Fertigstellung der Fernsteuerung der Strecke bleibt der Bahnhof noch mit einem Fahrdienstleiter besetzt. 

 

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Das historische Bahnhofsgebäude in Drebber ist, abgesehen von den Einscheibenfenstern in der oberen Etage, seit 1872 nahezu unverändert geblieben. Sogar die Pflasterung des Vorplatztes ist noch original (Foto von 2009).

© Otwin Skrotzki.

Webtipps:

Hörprobe der Orgel in der Marienkirche zu Mariendrebber. Ein paar auf der historischen Orgel gespielte Orgelstücke von J.S.Bach im MP3-Format in HiFi-Qualität zum Herunterladen. Hier.

Imkerhof. Die Firma Allos in Mariendrebber ist ein überregional sehr bekannter Hersteller von Naturkost. Hier.

Diie nordwestdeutsche “Route der Gartenkultur” führt auch zu einem Bauerngarten in Cornau. Mehr.

Mehr über bäuerliche Kultur und Arbeitsweise im Nordwestdeutschland vergangener Zeiten erfahren sie in meinem Blog-Eintrag über das Museumsdorf Cloppenburg. Hier.