Ehrenburg
 
Ehrenburg 008

Der heute wild-romantisch anmutende Standort der Ehrenburg (Foto von 2010)

Etwa 10 km nordwestlich der Stadt Sulingen liegt der kleine Burgflecken Ehrenburg (Samtgemeinde Schwaförden). Hier war bis 1852 der Sitz des Amtes Ehrenburg, zu dem auch Sulingen gehörte. Der Flecken Ehrenburg geht auf die gleichnamige Burg zurück, über deren Ursprünge wenig bekannt ist. Vermutlich war sie bereits im Hochmittelalter als Burg der Grafschaft Altbruchhausen vorhanden. Erwähnt wird die Ehrenburg erstmals im Jahre 1427. Sie war damals eine mittelalterliche Wasserburg der Grafen von Hoya zur Sicherung der Grafschaft gegen das Niederstift Münster sowie zur Kontrolle der Straße von Nienburg nach Vechta. Auf einem Merianstich von 1654 erkennt man eine umfangreiche Anlage mit Burggraben, Torhaus, Vorburg und Hauptburg. Nach dem Aussterben der Grafen von Hoya wurde die Ehrenburg 1582 Drostei des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg, dann Sitz des hannoverschen Amt Ehrenburg. 1740 riß man jedoch auch das Amtshaus der verfallenden Burg ab und verlegte es in einen Neubau auf dem wenige hundert Meter westlich liegenden Domängut. 1852 wurde das Amt vom neugebildeten Amt Sulingen übernommen. Das Amtshaus von Ehrenburg von 1740 scheint danach auch verschwunden zu sein, denn das heutige Herrenhaus auf dem Domängut stammt aus dem Jahre 1902.

Die Ehrenburg lag im sumpfigen Tal eines Baches. Sie ist heute bis auf die kleine Anhöhe und Reste von Wassergräben verschwunden. Der Bereich ist Naturschutzgebiet. Eine dort aufgestellte Schrifttafel informiert über die frühere Burg.

 

Ehrenburg 010

Gewässer und Geländeformationen, die vermutlich auf die ehemalige Burganlage zurückzuführen sind.

Ehrenburg 014

Herbstlicher Pfad zwischen ehemaliger Burg und Domängut 

>>[...] Außer der Erinnerung ist von der alten Ehrenburg so gut wie nichts geblieben. Ortskundige können noch die Stelle zeigen, wo sie einst stand. Sie liegt einige hundert Meter östlich der heutigen Domäne. Hier kennzeichnet ein kleiner Hügel neben einem Wassergraben den ehemaligen Standort. Die steinernen Überbleibsel sind um 1740 in dem ehemaligen Amtshaus verbaut worden und mögen sich auch im Turm der wenig später errichteten Kirche in Schmalförden wiederfinden. Von der einstigen Schönheit der Anlage läßt noch der Merianstich ahnen.[...]

[...] Als der Dreißigjährige Krieg das Land überzog, war die Blütezeit von Ehrenburg bereits vorbei. Eine größere Rolle hat die Feste nur in der Hildesheimer Stiftsfehde gespielt, also rund einhundert Jahre früher. Anscheinend ist sie dann im Laufe des 16. Jahrhunderts langsam aber sicher dem Verfall preisgegeben worden. Wahrscheinlich haben sich hierbei die zahlreichen Verpfändungen an verschiedene Adelsherren nachteilig ausgewirkt. Vom wechselvollen Schicksal der Ehrenburg und ihrer Bewohner im Verlaufe des Krieges künden zahlreiche Schreiben des damaligen Drosten Kurt von Münchhausen. Sie sind lesenswert, da sie ein vorzügliches Bild von der Rolle des Platzes im Gebiet zwischen der schwedischen Besatzung von Nienburg und den Kaiserlichen in der Festung Vechta vermitteln können.[...]<<

[Zit. aus: Zwischen Dümmer und Eschbach - Heimatkundliche Beiträge aus dem Altkreis Grafschaft Diepholz 1990]     

Ehrenburg 001

Ein Chateau “fast wie auf französischen Weinflaschen-Etiketten”: Das Herrenhaus des Domängutes Ehrenburg wurde im Jahre 1902 erbaut.

Ehrenburg 013

Die Rückseite des Herrenhauses.

© Otwin Skrotzki.