|
|
 |
 |
 |
 |
|
Das frühere Wald-, Moor- und Heidegebiet “Falkenhardt” 3 km nördlich der Stadt Diepholz war ursprünglich landesherrliche Schäferei und Jagdrevier. Im Jahre 1608 verkaufte Herzog Ernst zu Braunschweig-Lüneburg das Gelände dem Diepholzer Burgmann Harteke von Stemshorn. Dieser errichte hier einen Gutshof, der im Jahre 1619 zum landständigen Gut (“Rittergut”) erhoben wurde. Um das Gut entstanden mehrere zugehörige Beibauereien und Heuerlingshäuser. Nach dem Erlöschen der männlichen Linie der Stemshorn im Jahre 1722 ging das Rittergut Falkenhardt an die Familie von Sandbeck über, die es 1794 dem Gutsherren der Münte Carl August Friedrich von Voß verkaufte. Damit waren die beiden Diepholzer Großgüter Münte und Falkenhardt zu einem Gut vereint.
|
|
|
|
>>[...] Im Jahre 1804 kam es wegen der Räumung der Alten Hunte auf der Schweinemasch nahe Falkenhardt [der Bereich südlich der Brücke der heutigen B 69 über die Hunte] und wegen eines Platzes zwischen der Kleinen und der Alten Hunte zu unerquicklichen Auseinandersetzungen. [Carl August Friedrich] von Voß behauptete, der Platz sei dem Gut bei den etwa 1768 und in den folgenden Jahren durchgeführten Abwässerungsuntersuchungen [...] als Entschädigung für den Durchstich der Hunte [eine Begradigung des Flusses] in der kleinen Huntewiese zugewiesen worden, so daß sie ihm gehöre. Die Einverleibung in das Gut sei durch seine Vorgänger von Sandbeck versäumt worden. Bürgermeister Köhne und die Ratsherren Müller und Sommer bestritten dies [...] und baten um eine gerichtliche Entscheidung. Zwei Jahre später mußte von Voß für einige Gemeindeplätze auf der Schweinemasch und im Fladder, die er sich angeeignet hatte, den Kaufpreis von 400 Taler und 5 v.H. Verzugszinsen an das Amt zahlen. Als von Voß um einen an sich gebrachten Landstrich einen Erdwall hatte legen lassen, rissen ihn die Diepholzer im Oktober 1806 nieder. Im folgenden Jahr erklärte er mehrere Weidenbäume bei Diekamp [ein heute nicht mehr existierendes, zu Falkenhardt gehörendes Gut südlich der Huntebrücke der heutigen B 69] als sein Eigentum, obwohl sie auf der Gemeinheit standen; außerdem hatte er sich einen Kamp an den städtischen Lehmkuhlen einverleibt, so daß die Diepholzer keinen Zugang zu ihnen hatten. Um die schwerwiegenden Übergriffe durch den Oberjägermeister [von Voß] zu klären, setzte das Amt einen Besichtigungstermin auf den 10. Dezember 1806 fest. [...] Rittergutsbesitzer, Oberjägermeister von Voß nutzte seine Stellung und Befugnisse auch gegen seine eigenen Leute in Aschen und Ossenbeck aus. Als dem Gut Falkenhardt und den beiden Dörfern von der französischen Besatzung bestimmte Lasten auferlegt waren, mußten sie allein von den beiden Ortschaften getragen werden. Auch zog von Voß Gemeinheitsplätze der Bauerschaft ohne eine Entschädigung ein. Unter dem Druck des Gutsherren hatten die beiden Dörfer [...] auch zugelassen, daß das Gut auf [...] der Bauerschaft Heide mähte. Gegen diese Maßnahmen erhob der Flecken Diepholz Einspruch [...]. Es kam zu keiner Entscheidung [...]<<
[Zit. aus.: Emil Johannes Guttzeit “Geschichte der Stadt Diepholz”, 1982].
|
|
|
|
>>Falkenhardt, landtagsfähiges Gut, 3 km nordwestlich von Diepholz, Landgemeinde und Standesamt Aschen, Pf. Mariendrebber, 1895 4 Wohnhäuser, 23 Einwohner. Der Name wird zu der ehemals als Sport soviel geübten Falkenjagd in Beziehung stehen. Das Gut soll früher ein Vorwerk gewesen sein; doch wird es sicher eine größere Bedeutung gehabt haben, wird auch befestigt gewesen sein. Von dem Schloßgraben, mit dem es umgeben gewesen war, ist noch heute ein Teil erhalten, der den ursprünglichen Umfang und die Richtung desselben erkennen läßt. Das Gut ist bis in die neueste Zeit im Besitze der von Voß gewesen, nach deren Aussterben aber durch Erbschaft an die von Arenstorff gekommen. 1900 ist es an den Brennereibesitzer Kellenberg zu Kellenberg verkauft, wie es heißt zu dem Preis von 210 000 Mk. 1824 war hier nur 1 Wohnhaus.<<
[H.Gade, Die Grafschaft Diepholz, historisch-geographisch-statistische Beschreibung, 1901]
|
|
|
|
1858 verkaufte der unverheiratete und kinderlose Albert von Voß das Gut Falkenhardt mangels Erben seinem Vetter Jasper von Arenstorff. Dessen Sohn Adolf von Arenstorff war aktiver Offizier in Potsdam, später in Kassel. Das Gut wurde deshalb in jener Zeit von einem Generalbevollmächtigten und einem Verwalter geführt. Von 1890 bis 1902 war es verpachtet. Im Jahre 1900 verkaufte Adolf von Arenstorff das Gut dem Brennereibesitzer Ludwig Kellenberg zu Kellenberg. Ludwig Kellenberg errichtete auf dem Gut Falkenhardt eine Kornbrennerei, die er 1916 in eine Spiritusbrennerei umstrukturierte, in der auch Preßhefe für die Bäckereien der Region hergestellt wurde. In jener Zeit, vermutlich zwischen 1904 und 1915, wurden die beiden markanten Tortürme des Gutes im Stil des Historismus erbaut. Die Landwirtschaft des Gutes verlor seitdem allmählich an Bedeutung, die Ländereinen wurden nach und nach an die umliegenden Bauern verpachtet. Der Grundbesitz des Rittergutes umfaßte damals 346,76 ha. Neben der direkten Umgebung des Gutes gehörten u.a. die Junkernhäuser (südwestlich Diepholz) und Vossen Neufeld (südöstlich Diepholz) dazu. Das Gut besaß außerdem das Fischereirecht im Dümmer sowie in Teilen von Lohne und Hunte. Nach dem Tod Kellenbergs im Jahre 1926 fiel das Gut mit der Brennerei durch Erbschaft an seine Tochter Emmy, die mit dem aus dem Vogtland stammenden Georg Freiherr von Wagner verheiratet war.
1934 kaufte die Stadt Diepholz südwestlich der Stadt liegende Ländereien (Gut Junkernhäuser, Klattenberg) vom Rittergut Falkenhardt an, um damit für den Bau des Diepholzer Militärflughafens enteignete Bauern zu entschädigen. In einem Vertrag hatte sich die Stadt verpflichtet, ein Ersatzgut zu vermitteln. So kam Freiherr von Wagner an den Erwerb eines zweiten Gutes, des etwa 400 ha großen Gutes Ornum bei Eckernförde (Schleswig-Holstein).
Im Zweiten Weltkrieg war Freiherr von Wagner Leiter einer Pferdebeschaffungskommission im Kreis Diepholz (einschließlich Sulingen). Die Pferde wurden gemustert, konfisziert und dem Militär überstellt. Für die Bauern war dies nicht selten ein Problem, weil damals das Pferd die Hauptarbeitskraft in der landwirtschaftlichen Produktion war.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges machte sich der Oberbefehlshaber der britischen Besatzungsmacht, Feldmarschall Montgomery, das Herrenhaus in Falkenhardt für kurze Zeit zu seiner Residenz.
|
|
|
 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
>>[...] Auch der Oberbefehlshaber der britischen Besatzungstruppe Feldmarschall Montgomery hatte sich den Ort für kurze Zeit als Domizil erwählt. Er residierte im Herrenhaus, während die Familie von Wagner sich für einige Zeit andere Unterkünfte suchen mußte. Täglich konnte man damals den drahtigen mittelgroßen britischen Offizier auf seinen Spaziergängen auf und um Falkenhardt beobachten - je nach Wetter mit dem oder ohne das nach ihm benannte Kleidungsstück, den Montry, einen Kapuzenkurzmantel mit Knebelverschluß. [...]<<
[Zit. aus: Uschi Krämer: “Georg Freiherr von Wagner und Rittergut Falkenhardt”, in: “Zwischen Dümmer und Eschbach”, herrausgegeben von der Kreissparkasse Diepholz 1990]
|
|
|
|
Nach 1950 erwarb Freiherr von Wagner das Brennereirecht, das ab 1950 dem Bund zustand (Branntweinmonopol) und durfte jährlich 154.000 Liter Alkohol in seiner Hefefabrik auf Rittergut Falkenhardt brennen. Dazu bezog das Gut von auswärts flüssige Melasse. Vermutlich wurde der daraus gebrannte Alkohol ausschließlich als Reinalkohol (Spiritus) an Gewerbe- oder Industrien geliefert, denn eine Kornbranntwein-Herstellung des Gutes nach 1916 ist nicht bekannt.
Die Brennerei wurde offensichtlich schon vor Jahren stillgelegt, die Firma existiert aber noch heute (im Jahre 2008) zumindest als Handelsregistereintrag in Diepholz. Im “Deutschen Firmenportal ‘Hot Frog’” findet man den Eintrag “Spiritus- und Preßhefefabrik Rittergut Falkenhardt Joachim Frhr. v. Wagner e.K. [...] Produkte und Dienstlesitungen: Backmittel, Genußmittel, Hefe”
|
|
|
|
 |
|
|
|
Die Gutsbrennerei und Hefefabrik auf dem Rittergut Falkenhardt im Jahre 2006 - ein sehenswerter und erhaltungswürdiger historischer Industriebau aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Man kann nur hoffen, daß dieses sehr wertvolle Baudenkmal erhalten bleibt.
|
|
|
|
 |
|
 |
|
|
|
|
© Otwin Skrotzki
|
|
|