Graftlage
 
Hemtewede 2

Gehöft in Hemtewede bei Diepholz (Foto von 2009)

Hemtewede

Das zur Graftlage gehörende Gut Hemtewede an der Südseite der Stadt Diepholz erscheint erstmals im Jahre 1380. Es war ein herrschaftliches Vorwerk, das zum Amt Diepholz, später zur Königlichen Domänenkammer zu Hannover gehörte und von einem Pächter geführt wurde. Pächter waren ab 1564 zunächst die Familie von Hoya, dann die Familien Feuß, Ripking und Klatte. Letztere erwarben es 1872 zum Eigentum. 1920 ging Hemtewede in den Besitz der Familie Lührs über. Das Gut ist noch heute ein landwirtschaftlicher Betrieb. Die beiden Fotos zeigen allerdings nicht das “Gut Hemtewede”, sondern eines der unmittelbar benachbart liegenden Gehöfte Vahrenholt (früher Wehrkamp) und Kriete (früher Ohe), die mit der Hausnummernreform von 1990 an Hemtewede kamen. 

 

>>Hemtewede, Gut (Vorwerk) bei Diepholz, Fleckensgem., Schulgem., Pf. und Standesamt Diepholz, 1895 1 Wohnhaus, 6 Einwohner. Der Name ist die Bezeichnung einer früheren Weide oder überhaupt eines der Landesherrschaft gehörenden, also freien Grundstücks, das später bebauet und durch Zulegung andrer freier oder befreiter Grundstücke zum Gute vergrößert ist. Zu den landtagsfähigen Gütern der Grafschaft gehörte Hemtewede jedoch nicht. <<

[H.Gade, Die Grafschaft Diepholz, historisch-geographisch-statistische Beschreibung, 1901]

Diepholz 075

Hemtewede von Südwesten gesehen (Dezember 2010)

Graftlage

“Graftlage” heißt der Bereich zwischen dem südlichen Stadtrand von Diepholz bis nahe dem Dümmer See. Der Name setzt sich aus “Graft” (= Gracht, Kanal) und “Lage” (= zur Besiedlung geeignete Stelle) zusammen. Graftlage wurde 1834 in den Flecken Diepholz eingemeindet. Das Gebiet besteht aus von zahlreichen Kanälen durchflossenen Feuchtwiesen im ehemaligen Überschwemmungsgebiet des Dümmer. Eine Besiedlung mit wenigen Einzelhöfen erfolgte nahezu ausschließlich entlang der heutigen B 51, der hier die Wätering - einer der Hauptkanäle - parallel fließt. Einer der ältesten und größten Höfe ist das Gut Hemtewede. Bis ins 16.Jahrhundert war das niedermoorige Gebiet ein riesiger Bruchwald vorwiegend aus Erlen und Eschen. Von diesem “Huntebruch” ist ein kleiner Teil bis heute stehen geblieben. Das Huntebruch war immer in landesherrlichem Besitz, zunächst gehörte es den Edelherren bzw. Grafen von Diepholz, später wurde es Staatsforst. Der heute noch bestehende Teil des Huntebruch ist von großen Pappeln und Erlen dominiert, auch Eschen und eingebürgerte Bäume wie Sumpf- und Roteichen finden sich. Der Wald wurde unter Naturschutz gestellt, eine Forstwirtschaft findet nicht mehr statt. Dadurch hat sich das Huntebruch mittlerweile zu einem Urwald regeneriert. Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert waren in der Graflage mehrere Köhler tätig, die in Meilern das reichlich vorhandene Erlenholz zu Holzkohle verarbeiteten. Ab den 1930er Jahren befand sich am Südrand der Graftlage bei den Escholtswiesen das “Lager Escholt”, ein Barackenlager, das zunächst als Unterkunft für den “Freiwilligen Arbeitsdienst” diente, dann als Schulungslager für NS-Parteifunktionäre, Führungskräfte, Lehrer, für Schulklassen und für die Hitlerjugend. Ab 1940 war es ein Kriegsgefangenenlager, in dem im Jahre 1941 80 sowjetische Gefangene untergebracht waren. Die Gefangenen wurden als Zwangsarbeiter vor allem im Wegebau eingesetzt. Heute ist von dem Lager keine Spur mehr vorhanden. Eine Attraktion der heutigen Graftlage ist der Skulpturenpfad. Leider sind viele der Feuchtwiesen der Graftlage heute in monotone Maisfelder umgewandelt, die im Spätsommer und Herbst das Landschaftsbild sehr stark beeinträchtigen.

    

Diepholz 069

Im Vordergrund eine der Skulpturen des Skulpturenpfades. Im Hintergrund der Gasthof Stickforth (“Gänsestübchen”, Gastwirtschaft und Cafè). Er war bis in die 1970er Jahre auch Poststelle und bildet noch heute den Mittelpunkt der Graftlage. 

Huntebruch 005

Das im Frühjahr geflutete Huntebruch vermittelt einen Eindruck davon, wie die großen Bruchs um den Dümmer vor der Rodung , Melioration und Umwandlung in Wiesen- und Weideland aussahen. 

Graftlage 017

Graftlager Herbstlandschaft

VERKLÄRTER HERBST

Gewaltig endet so das Jahr
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit.
Im Kahn den blauen Fluß hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht -
Das geht in Ruh und Schweigen unter.

[Georg Trakl]

 

Graftlage 006

Graftlage, Skulpturenpfad

Diepholz 072

Graftlager Winterlandschaft (Dezember 2010)

© Otwin Skrotzki

Webtipps:

Der Gasthof “Gänsestübchen” bildet den Mittelpunkt der Graftlage. Er hat eine eigene Website hier.