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Graftlage
“Graftlage” heißt der Bereich zwischen dem südlichen Stadtrand von Diepholz bis nahe dem Dümmer See. Der Name setzt sich aus “Graft” (= Gracht, Kanal) und “Lage” (= zur Besiedlung geeignete Stelle) zusammen. Graftlage wurde 1834 in den Flecken Diepholz eingemeindet. Das Gebiet besteht aus von zahlreichen Kanälen durchflossenen Feuchtwiesen im ehemaligen Überschwemmungsgebiet des Dümmer. Eine Besiedlung mit wenigen Einzelhöfen erfolgte nahezu ausschließlich entlang der heutigen B 51, der hier die Wätering - einer der Hauptkanäle - parallel fließt. Einer der ältesten und größten Höfe ist das Gut Hemtewede. Bis ins 16.Jahrhundert war das niedermoorige Gebiet ein riesiger Bruchwald vorwiegend aus Erlen und Eschen. Von diesem “Huntebruch” ist ein kleiner Teil bis heute stehen geblieben. Das Huntebruch war immer in landesherrlichem Besitz, zunächst gehörte es den Edelherren bzw. Grafen von Diepholz, später wurde es Staatsforst. Der heute noch bestehende Teil des Huntebruch ist von großen Pappeln und Erlen dominiert, auch Eschen und eingebürgerte Bäume wie Sumpf- und Roteichen finden sich. Der Wald wurde unter Naturschutz gestellt, eine Forstwirtschaft findet nicht mehr statt. Dadurch hat sich das Huntebruch mittlerweile zu einem Urwald regeneriert. Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert waren in der Graflage mehrere Köhler tätig, die in Meilern das reichlich vorhandene Erlenholz zu Holzkohle verarbeiteten. Ab den 1930er Jahren befand sich am Südrand der Graftlage bei den Escholtswiesen das “Lager Escholt”, ein Barackenlager, das zunächst als Unterkunft für den “Freiwilligen Arbeitsdienst” diente, dann als Schulungslager für NS-Parteifunktionäre, Führungskräfte, Lehrer, für Schulklassen und für die Hitlerjugend. Ab 1940 war es ein Kriegsgefangenenlager, in dem im Jahre 1941 80 sowjetische Gefangene untergebracht waren. Die Gefangenen wurden als Zwangsarbeiter vor allem im Wegebau eingesetzt. Heute ist von dem Lager keine Spur mehr vorhanden. Eine Attraktion der heutigen Graftlage ist der Skulpturenpfad. Leider sind viele der Feuchtwiesen der Graftlage heute in monotone Maisfelder umgewandelt, die im Spätsommer und Herbst das Landschaftsbild sehr stark beeinträchtigen.
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