Grossmarkt
 
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Jahrmarktorgel am Markteingang Bremer Eck (Diepholzer Grossmarkt 2011)

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Im Getose des Diepholzer Grossmarkt 2011

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Charakteristisch die zahlreichen Fischimbißbuden (Diepholzer Grossmarkt 2011)

Der “Diepholzer Großmarkt” ist ein Vergnügungsmarkt, der in jedem Jahr an einem September-Wochenende stattfindet, und das schon seit über 600 Jahren. Ursprünglich war er der jährliche Markt, den ab 1380 der Diepholzer Edelherr nach Osnabrücker Stadtrecht den Diepholzern gestattete. Dieser fand zunächst in der Langen Straße statt. Später entwickelte er sich zu einem großen Viehmarkt, der auf dem Marktplatz nördlich des Bremer Eck abgehalten wurde. Im Jahre 1949 wurden 1500 Pferde und 200 Stück Rindvieh aufgetrieben. Dieses änderte sich in den folgenden Jahrzehnten mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft. Der Viehmarkt verlor an Bedeutung und verschwand in den 1980er Jahren bis auf einen sehr kleinen, von der Stadt subventionierten Rest, der ausschließlich der Traditionspflege dient. Neben dem Viehmarkt spielte auch die Gewerbeschau eine große Rolle, auf der früher sogar Landmaschinen angeboten wurden. Von der Gewerbeschau ist ebenfalls nur noch ein kleiner werdender, fast trostloser Rest (ein “Gewerbezelt”) geblieben, der die Tradition aufrecht erhalten soll. Heute ist der Grossmarkt ausschließlich ein Vergnügungsmarkt. An die alten Zeiten erinnern aber noch die vielen Buden, an denen allerlei Tingeltangel, Haushaltswaren und Kurzwaren feilgeboten werden. Seinen besonderen Reiz hat der Grossmarkt wegen seiner Traditionalität und seiner Lage direkt an der Innenstadt nördlich des Bremer Eck. Man kann nur hoffen, daß niemand auf die Idee kommt, den Großmarkt an einen anderen Ort zu verlegen um den Marktplatz zu bebauen. Dann wäre es mit der liebenswürdigen Tradition und einem erheblichen Teil Diepholzer Identität vorbei, der Großmarkt wäre ein Jahrmarkt wie jeder andere.

Für die Diepholzer ist der Grossmarkt sehr viel mehr als nur ein gewöhnlicher Vergnügungsmarkt oder Abschlußpunkt des Sommers. Am Freitag des Großmarkt-Wochenendes herrscht in der Stadt “Ausnahmezustand”. Es wird richtig “die Sau rausgelassen”, die Sorgen, der Ärger und die Streitereien für einen Tag vergessen, ausgiebig Alkohol konsumiert und gefeiert. 

 

>>[...] Das ganze Gewühle, der Lärm, die Besoffenen sind dem kleinen dicken Mann aus dem Ordnungsamt zuwider. Aber natürlich schließt er sich seinen Kollegen um 11 Uhr an. Er will kein Spielverderber sein, schiebt sich also mit ihnen durch die immer belebteren Straßen, übers Bremer Eck und vorbei an den automatischen Drehorgeln neben dem Springbrunnen, über den Fußweg, an deren Rand sich fliegende Händler mit allerhand Lederkram aufgebaut haben. Dann kommt die erste Fischbude - und nun öffnet sich tosend und brausend der Großmarkt mit all seinen Herrlichkeiten für Kinder jeglichen Alters. Hubert wundert sich längst nicht mehr, Dorrmann und Herrmann bereits jetzt Arm in Arm zu sehen. Im Rat vertreten sie gegensätzliche Parteien und schmähen einander bei jeder Gelegenheit. [...] Als er sich so langsam aus dem Gewühle herauszieht, triift er immer mal wieder den einen oder anderen aus Rat und Verwaltung. Seltsam derangiert ist mancher schon zu dieser frühen Stunde. Zum Beispiel kommt er an einer Dame vorbei, die sich bei Abstimmungen immer sehr schwer tut, wenn der Sachverhalt in doppelter Verneinung formuliert wird. Jetzt schwingt sie ihre Handtasche wie eine Kreissäge und zieht jeden Mann, dessen sie teilhaftig werden kann, ins Weinzelt. [...]<<

[Zit. Klaus Seehafer: “Grossmarkt, Freitagvormittag” aus “Unterm Schlossturm und umzu” 2005]

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Der Ausschank im großen Bierzelt, dem Zentrum des Großmarktes, wirkt am frühen Samstagnachmittag wohl wegen Verkaterung der Leute verwaist. Am Abend zuvor, dem berühmt-berüchtigen “Freitag auf dem Großmarkt” war hier “die Hölle los”, das Bier floß in Strömen. (Diepholzer Großmarkt 2011) 

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Freitagabend auf dem Großmarkt: Fast alle haben “Schlagseite” (Diepholzer Großmarkt 2011)

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Hier geht es ruhiger zu: Informationsstand der Stadt Diepholz im “Gewerbezelt” (Diepholzer Großmarkt 2011)

Weitere Fotos vom Großmarkt 2011 hier (externe Seite)

© Otwin Skrotzki