|
>>[...] Die letzte Februarwoche ist durchtobt von Stürmen aus Südwesten. Nur selten ist der Wind aus dieser Himmelsrichtung kalt, nur wenn die Luftmassen, die er über uns hinführt, aus dem Norden stammend, einen Umweg machen. - Auch durch die meisten Nächte braust der Sturm, läßt keinen anderen Laut aufkommen, und nur in den dämmrig frühen Morgenstunden verschweigt er etwas, als wolle er Kraft sammeln für neue Gewalttaten am kommenden Tag. - Dann sind gleich Vogelstimmen zu vernehmen: die kurzen, leisen Wanderrufe westwärts ziehender Lerchen; der Morgenruf einer erwachten Amsel, den sie beim Verlassen ihres Schlafplatzes hören läßt; der rauhe Schrei einer Rabenkrähe und das laute Rufen einer Märzente, die sich vor einem Bauern erschreckt hat, der seinen Kahn am Seeufer flottmacht, um eine Ladung Rohrbunde zu holen. [...]
Sommerlich warme Tage folgten. [...] Jeder März bringt solche Tage, an denen die Sumpfdotterblumen ihre goldenen Blüten weit der Sonne öffnen, alle Kiebitze rufen, die Uferschnepfen sich über Stauwasserflächen verfolgen und das Trillern der Brachvögel kein Ende nimmt. Und ist es am nächsten Tag wieder kalt, jagen Graupelschauer über die Erde aus der kalten Nordwestecke, in die der Wind umgesprungen ist, das harte Wasservolk läßt sich nicht einschüchtern . [...]<<
[Zit. aus: Walter von Sanden-Guja, Der große Binsensee, 1953]
|