Lembruch
 
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Der alte Ortskern von Lembruch mit der früheren B 51 in Ost-West-Richtung gesehen. Hier kann man sich ungefähr vorstellen, wie es in Lembruch vor der großen Modernisierung ausgesehen hat. >>[...]Schon die Straße sah wirklich doll aus: halbrund gewölbte Teerdecke: ‘Das iss der Moorgrund’, erklärte er, noch immer ungehalten , ‘sackt nach beeden Seiten ab: iss’n ganz blödes Fahren!’[...]<< [Arno Schmidt, Seenlandschaft mit Pocahontas, 1955]

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Ehemalige Bauernhäuser im Ortskern von Lembruch (2012)

Das unmittelbar am Dümmer liegende Dorf Lembruch gilt heute als der Hauptort des Dümmer-Tourismus. Das Gebiet bei Lembruch mit Hüde und Sandbrink gehörte im 12. Jahrhundert zu einer friesischen Kolonie, der Comitia Wischfrisonum (“Grafschaft der Wiesenfriesen”). Die Edelherren von Diepholz erwarben 1318 die Comitia als Lehen vom Herzog Otto von Braunschweig. Durch weitere Erwerbungen heimgefallener Lehen vom Bischof von Minden brachten die Edelherren schließlich die gesamte Dümmerniederung in ihren Besitz. Bereits im 13. Jahrhundert war Lembruch Standort einer Burg der Edelherren von Diepholz, des “Castrum Lewenbrock”. Mit dieser Burg sicherten die Edelherren ihre Herrschaft nach Süden, weiteten ihr Territorium nach und nach weiter nach Süden bis Lemförde aus, und errichteten um 1310 dort eine neue Burg. Die Burg Lembruch wurde somit nicht mehr gebraucht und soll dann als Steinbruch zum Bau der Burg Lemförde gedient haben. Die Burg Lembruch wurde vollständig abgetragen und verschwand spurlos. Auf alten topografischen Karten aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg ist ihr Standort aber anhand einer oval verlaufenden Höhenlinie und dem Verlauf der Gräben noch erkennbar. Er lag südlich der alten Dorfstraße hinter den Häusern. Heute befindet sich dort nur noch ein Acker, von der Burg ist keine Spur mehr vorhanden. 

 

Der Ortsname “Lembruch” entstand aus “Lewenbrock” und bezieht sich vermutlich auf Löwen, dem Wappentier der Edelherren von Diepholz. Trotz des Burgstandortes bekam Lembruch nie Fleckensrechte, war auch nie ein eigener Kirchort, sondern gehört bis heute zur Kirchengemeinde Burlage.

Anfang der 1950er Jahre begann nach dem Abschluß der Deichbauarbeiten (1952) der große Tourismus-Boom. Bereits 1948 befanden sich an der Grawiedemündung das markante, reetgedeckte “Türmchen mit der Uhr” und ein großer Bootssteg. 1957 folgte der Bau des großen Giebeldachhauses “Hotel Strandlust” in einem auf die Region bezogenen “Heimatschutzstil”, der trotz vieler Umbauten noch heute zumindest erkennbar ist. Der alte Bootshafen erhielt 1966 einen Kran und wurde 1974 mit einer Spundwand ausgestattet. Mittlerweile ist aber der Bootshafen “Seeblick” (gegenüber der Segelschule) deutlich größer. Heute hat Lembruch rund 1100 Einwohner und ist Teil der Samtgemeinde “Altes Amt Lemförde”. Wirtschaftlich hat wegen des Dümmers der Fremdenverkehr die größte Bedeutung, aber auch eine Bootswerft und eine Fisch-Großräucherei sind zu nennen. Obwohl Lembruch ein Fremdenverkehrsort ist, blieb nur relativ wenig von dem historischen Ortsbild erhalten. Einige Fachwerk-Bauernhäuser mit Reetdach wurden zwar nachgebaut, wirken aber in dem für den Tourismus modern hergerichteten Ort zumeist etwas künstlich und eher wie eine “Fachwerkkulisse”. Sicher ist das eine subjektive Wertung; der Besucher möge sich seine eigene Meinung bilden.

 

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Lembruch, am alten Hafen bei landestypischem Wetter. Das reetgedeckte Türmchen mit der Uhr wurde 1948 erbaut (Foto vom März 2009)

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Postkarte aus den 1930er Jahren

>>Lembruch, größeres Dorf an der Ostseite des Dümmersees, sowie an der Osnabrück-Bremer Chaussee und an der gleichen Bahnstrecke, Landgemeinde Lembruch mit 2265 ha Flächeninhallt, wozu Eickhöpen gehört, Schulgem. und Standesamt Lembruch, Pf. Burlage, 1895 92 Wohnhäuser, 500 Einwohner, Eisenbahnstation, Gänsezucht.

Die Herleitung des Namens kann nur nach der alten Schreibart: Leuenbrock, Levenbruch etc. geschehen, und würde sich darnach auf Löwen beziehen; da aber Löwen niemals in dieser Gegend gewesen sein werden, möchte er sich auf die hier einst gestandene Burg und deren Stärke beziehen. Der Ort tritt dadurch etwas in die Geschichte der Grafschaft Diepholz, daß sich hier bis in das 14. Jahrhundert hinein ein “Castrum Lewenbrock” befunden hat, und zwar noch kurze Zeit neben der neuerbauten Grenz- und Schutzburg Leuenfurt für die neu erworbenen Landesteile, die Grafschaft der Wischfriesen und einen Teil der Herrschaft Steinwede bestand, oder wenigstens auch noch später genannt wird; in Wirklichkeit scheint aber Leuenfurt, das spätere Lemförde, als Stellvertreter von Lewenbrock erbaut zu sein , und so mag auch das Material von letzterer zum Bau von Leuenfurt mit verwendet sein. 1305 wird Lewenbrock noch genannt. Die Burg hat gelegen auf der Stelle des jetzt (1849) Rüter’schen Hofes (Arch. d. hist. Ver. für Nieders. 1849, S.72).

Auch gab es ein Adelsgeschlecht, das den Namen nach dem Orte führte, also mit der Burg wahrscheinlich belehnt war, oder doch dazu in Beziehung stand. In einer Urkunde vom 15. April 1328 kommt Robert de Lewenbrocke als Zeuge vor (Dieph. Urkb. Nr.25). In einer andern Urkunde vom 22. Juli 1343 verkauft Friedericus de Lewenbrocke den Edlen Herren Rudolf und Konrad von Diepholz seinen Hof zu Westorpe im Kirchspiel Wedeham (Dieph. Urkb. Nr.44).

Die Lembrucher scheinen die Berechtigung zum Fischfang im Dümmer gehabt zu haben, denn “davor, daß sie Schiffe halten mügen”, mußte Lembruch jährlich [...] zahlen. [...] .<<

[H.Gade, Die Grafschaft Diepholz, historisch.geographisch-statistische Beschreibung, 1901]

 

Lembruch hatte lange Zeit auch einen Bahnhof an der Eisenbahnstrecke Osnabrück-Bremen. Die Strecke wurde 1872 in Betrieb genommen, ein Bahnhof in Lembruch aber erst 1900 erbaut. Die Ladestraße mit Rampe und Güterschuppen diente in erster Linie der Verladung von Vieh und anderen landwirtschaftlichen Produkten. Den kleinen Personenbahnhof nutzten vielfach Ausflügler und Dümmer-Urlauber. Das alte Gebäude wurde 1966 durch einen modernen Flachbau ersetzt. Jedoch wurden In den 1980er Jahren auf der Strecke zwischen Osnabrück und Twistringen die überall haltenden Nahrverkehrszüge abgeschafft und somit die entsprechenden Kleinbahnhöfe geschlossen, darunter auch Lembruch.

 

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Bahnhof Lembruch im Jahre 1960 von der Straßenseite aus gesehen. Kurze Zeit später wurde das Gebäude abgerissen und durch einen modernen Flachbau ersetzt.

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Bahnhof Lembruch im Jahre 1960 auf der Gleisseite. Die beiden Fotos stellte ein User zur Verfügung.

© Otwin Skrotzki.