Lembruch
 
Lembruch 004

Der alte Ortskern von Lembruch mit der früheren B 51 in Ost-West-Richtung gesehen. Hier kann man sich ungefähr vorstellen, wie es in Lembruch vor der großen Modernisierung ausgesehen hat. >>[...]Schon die Straße sah wirklich doll aus: halbrund gewölbte Teerdecke: ‘Das iss der Moorgrund’, erklärte er, noch immer ungehalten , ‘sackt nach beeden Seiten ab: iss’n ganz blödes Fahren!’[...]<< [Arno Schmidt, Seenlandschaft mit Pocahontas, 1955]

Das unmittelbar am Dümmer liegende Dorf Lembruch gilt heute als der Hauptort des Dümmer-Tourismus. Das Gebiet bei Lembruch mit Hüde und Sandbrink gehörte im 12. Jahrhundert zu einer friesischen Kolonie, der Comitia Wischfrisonum (“Grafschaft der Wiesenfriesen”). Die Edelherren von Diepholz erwarben 1318 die Comitia als Lehen vom Herzog Otto von Braunschweig. Durch weitere Erwerbungen heimgefallener Lehen vom Bischof von Minden brachten die Edelherren schließlich die gesamte Dümmerniederung in ihren Besitz. Bereits im 13. Jahrhundert war Lembruch Standort einer Burg der Edelherren von Diepholz, des “Castrum Lewenbrock”. Mit dieser Burg sicherten die Edelherren ihre Herrschaft nach Süden, weiteten ihr Territorium nach und nach weiter nach Süden bis Lemförde aus, und errichteten um 1310 dort eine neue Burg. Die Burg Lembruch wurde somit nicht mehr gebraucht und soll dann als Steinbruch zum Bau der Burg Lemförde gedient haben. Die Burg Lembruch wurde vollständig abgetragen und verschwand spurlos. Auf alten topografischen Karten aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg ist ihr Standort aber anhand einer oval verlaufenden Höhenlinie und dem Verlauf der Gräben noch erkennbar. Er lag südlich der alten Dorfstraße hinter den Häusern, auf dem Bild oben also links der Straße. Heute befindet sich dort nur noch ein Acker, von der Burg ist keine Spur mehr vorhanden. 

 

>>[...] Auch in den angrenzenden Teilen des Dervegaues, in der alten Mark Stemwede, suchten sich die Diepholzer Herren öffentliche Rechte zu verschaffen, und auch hier hatte ihr Bemühen angesichts der sich in diesem Gau gleichfalls vollziehenden Auflösung der karolingischen Einrichtungen Erfolg. Zum Schutz ihres Grundeigentums legten sie zunächst die Burg Lembruch an; im Anfang des 14. Jahrhunderts schoben sie ihren Einflußbereich noch weiter nach Süden bis an den Stemmer Berg vor und erbauten zwischen 1305 und 1316 die später wichtige Burg Lemförde. Dazu waren sie als einflußreiche Grundherren die ersten Holzgrafen in der großen Dielinger und Drohner Mark. Endlich erwarben sie im Jahre 1318 die Grafschaft der Wiesenfriesen mit dem Gerichtsstuhl in Hüde. [...]<<

[Zit.: Dr.Wilhelm Kinghorst in “Der Kreis Diepholz”, Bremen 1929]

Der Ortsname “Lembruch” entstand aus “Lewenbrock” und bezieht sich auf Löwen, was vermutlich die Macht der Edelherren von Diepholz symbolisieren sollte. Trotz des Burgstandortes bekam Lembruch nie Fleckensrechte, war auch nie ein eigener Kirchort, sondern gehört bis heute zur Kirchengemeinde Burlage.

Anfang der 1950er Jahre begann nach dem Abschluß der Deichbauarbeiten (1952) der große Tourismus-Boom. Bereits 1948 befanden sich an der Grawiedemündung das markante, reetgedeckte “Türmchen mit der Uhr” und ein großer Bootssteg. 1957 folgte der Bau des großen Giebeldachhauses “Hotel Strandlust” in einem auf die Region bezogenen “Heimatschutzstil”, der trotz vieler Umbauten noch heute zumindest erkennbar ist. Der alte Bootshafen erhielt 1966 einen Kran und wurde 1974 mit einer Spundwand ausgestattet. Mittlerweile ist aber der Bootshafen “Seeblick” (gegenüber der “Segelschule Schlick”) deutlich größer. Heute hat Lembruch rund 1100 Einwohner und ist Teil der Samtgemeinde “Altes Amt Lemförde”. Wirtschaftlich hat wegen des Dümmers der Fremdenverkehr die größte Bedeutung, aber auch eine Bootswerft und eine Fisch-Großräucherei sind zu nennen. Obwohl Lembruch ein Fremdenverkehrsort ist, blieb nur relativ wenig von dem historischen Ortsbild erhalten. Einige Fachwerk-Bauernhäuser mit Reetdach wurden zwar nachgebaut, wirken aber in dem für den Tourismus modern hergerichteten Ort zumeist etwas künstlich und eher wie eine “Fachwerkkulisse”. Sicher ist das eine subjektive Wertung; der Besucher möge sich seine eigene Meinung bilden.

 

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Lembruch, am alten Hafen. Das reetgedeckte Türmchen mit der Uhr wurde 1948 erbaut (Foto vom März 2009)

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Postkarte aus den 1930er Jahren

© Otwin Skrotzki.

Webtipps:

Die Website der Lembrucher Bootswerft (Standorte in Lembruch und im benachbarten Hüde) finden Sie hier. 

Dümmer-Fischstuben. Zu einem alten Fischerort gehört ein zünftiges Fischrestaurant. Hier.

Landhaus Götker, ein Edel-Restaurant mit moderner Landhausküche auf höchstem Niveau hier.

Weitere Links aus Lembruch unter der Rubrik Dümmer See auf dieser Website.

 

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Der alte Entenfang in Lembruch mit dem 1967 erbauten Dümmermuseum.

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Ferienhäuser im Ortsteil Eickhöpen direkt am Seeufer.