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Im Rehdener Geestmoor (August 2006)
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Schon in der Frühzeit, als der Mensch seßhaft wurde, war er bestrebt, alles Land - auch “Ödland” - nutzbar zu machen. Daß bereits die Germanen an den Randbereichen der Moore Torf als Brennmaterial abgruben, ist durch den römischen Schriftsteller Plinius (23-79 n.Chr.) überliefert. Eine “Urbarmachung” der Moore war damals jedoch noch nicht möglich, da sie deren Entwässerung mittels Kanäle vorraussetzt. Umfangreiche Kanalsysteme begann man erst Anfang des 17. Jahrhunderts anzulegen.
Die älteste und einfachste Nutzung trockengelegter Hochmoore, war die Brandkultur. Man brannte einfach die trockenen Moore ab und sähte Buchweizen in die Asche. Der Buchweizen stammt aus Asien und ist ein einjähriges Knöterichgewächs. In Fruchtfolge folgte wieder Buchweizen, dann Hafer oder Kartoffeln, schließlich Roggen. In einigen Regionen wurde auch ausschließlich Burchweizen ohne Fruchtfolge angebaut. Nach wenigen Jahren war der Boden erschöpft und es mußte eine bis zu 30-jährige Brache folgen. Die dabei entstehenden Heideflächen wurden zur Schafhaltung und als Bienenweide genutzt. Die starke Rauchentwicklung beim Abbrennen führte 1923 zum Verbot der Brandkultur.
Ein Abbau von Torf erfolgte ursprünglich ausschließlich zur Gewinnung von Heizmaterial. Eine landwirtschaftliche Nutzung der Moore (Weideland und Ackerbau) war zunächst, abgesehen von der Brandkultur, nur nach vollständiger Abtorfung möglich. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, nach der Erfindung des Mineraldüngers, konnten auch trockengelegte Torfflächen durch Einebnung mit anschließender künstlicher Düngung landwirtschaftlich nutzbar gemacht werden. Bei dieser sogenannten Deutschen Hochmoorkultur wurden die Moore durch ein sehr enges Grabennetz bzw. Drähnungen stark entwässernt, aufgekalkt und mit Kaliphosphat und Kupferschlacke gedüngt. Eine weitere Form der Urbarmachung sehr flacher bzw. abgetorfter Moore war seit Anfang des 20. Jahrhunderts die Sandmischkultur, bei der mit riesigen, dampfmaschinengetriebenen Tiefpflügen der Torf einfach umgepflügt und mit der darunter liegenden Sandschicht vermischt wurde. Die Moore wurden damit unwiederbringlich zerstört.
Als Fehnkultur bezeichnet man die Kolonisierung und Besiedlung der Moore entlang großer Entwässerungskanäle, die gleichzeitig zum Abtransport des Torfes mittels Kähnen dienten. Das erste Fehn war Papenburg im Emsland. Es wurde bereits 1630 gegründet. Fehne findet man jedoch ausschließlich in den sehr großflächigen ehemaligen Moorgebieten Ostfrieslands, des Emslandes und nördlich von Bremen. In der Diepholzer Moorniederung sind die Moore relativ klein und von vielen Sanden unterbrochen, so daß sich keine “Kolonisierung” lohnte. Eine Nutzung erfolgte von den Gehöften der Moor-Ränder aus. Später wurden diese Moore zum industriellen Torfabbau genutzt. Eine fehn-ähnliche Kultur in der Dümmer-Niederung ist aber die 1922 südwestlich des Dümmer in völliger Einsamkeit im Großen Moor angelegte Bauernsiedlung “Campemoor”. Sie weist zwar nicht den charakteristischen breiten befahrbaren Kanal auf, ist aber entlang eines schnurgeraden, mitten durch das Moor geführten Weges entstanden.
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Typischer Moorkolonisten-Hof aus dem frühen 20. Jahrh., wie er besonders in den Fehnen Niedersachsens üblich war (Museumsdorf Cloppenburg). Es muß jedoch ausdrücklich betont werden, daß die Idylle dieser Bilder über das wahrhaft harte und entbehrungsreiche Leben der Moorkolonisten hinwegtäuscht. Viele frühe Kolonisten siedelten noch am Anfang des 20. Jahrhunderts in armseligen, zum Teil aus Torfsoden errichteten Hütten.
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Diese historische Postkarte aus den 1920er Jahren aus dem Sulinger Land zeigt, wie armselig viele Häuser in den Mooren und Heiden waren.
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>>Etwas von der Traurigkeit und Heimatlosigkeit ihrer Väter liegt über ihnen, die auswanderten, ein Leben verließen, um in den schwarzen, schwankenden Landen Neues zu begründen, von dem sie nicht wußten, wie es enden sollte [...] Im Frühling, wenn das Torfmachen beginnt, erheben sie sich mit dem Hellwerden und bringen den ganzen Tag, von Nässe triefend, durch das Mimikry ihrer schwarzen, schlammigen Kleidung dem Moore angepaßt, in der Torfgrube zu, aus der sie die bleischwere Moorerde emporschaufeln. Im Sommer, während sie mit den Heu- oder Getreideernten beschäftigt sind, trocknet der fertig bereitete Torf, den sie im Herbst auf Kähnen und Wagen in die Stadt fahren. Auf dem schwarzen Wasser des Kanals wartet beladen das Boot, und dann fahren sie ernst wie mit Särgen auf den Morgen und auf die Stadt zu, die beide nicht kommen wollen.<<
[Rainer Maria Rilke]
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Die dunkle und kalte Jahreszeit am Rehdener Geestmoor
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ÖDLAND DES HERZENS
Aus fast unter- gegangener Sonne erwelkt letzter Schatten das Gelb.
Spitzen des Waldes erglimmen. Voraus fließt in die Dämmerung das Braun.
[Peter Busch]
Gedicht- Copyright: Peter Busch, UNSER Verlag, Hannover
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Etwa ab 1900 begann man den Torf außer als Brennmaterial auch für andere Zwecke zu nutzen, zunächst als Streu in Viehställen, seit den 1930er Jahren auch als Bodenverbesserer im Garten- und Landschaftsbau. Heute sind die Blumen- und Gemüseproduzenten die Hauptabnehmer von Torf. Allein in Deutschland verbrauchen sie jährlich 6 Millionen Kubikmeter. Hinzu kommen die Hobbygärtner mit einem jährlichen Verbrauch von 3 Millionen Kubikmeter (Zahlen von 2002).
Urbarmachung und Torfindustrie haben die Moore in Norddeutschland so weit zerstört, daß sie zu den bedrohten Landschaften gehören, und ihre Tier- und Pflanzenwelt als gefährdet gilt. Infolge dieser Erkenntnis und dem sich entwickelnden Bewußtsein für Ökologie und Naturschutz wurde 1981 das Niedersächsische Moorschutzprogramm verabschiedet, das den weiteren Torfabbau stark reglementiert und die Renaturierung abgetorfter Flächen vorsieht. Sie ist möglich, wenn beim Torfabbau am Grund eine Schicht Schwarztorf erhalten geblieben ist, die ein Versickern des Wassers verhindert. Die Renaturierung dient nicht nur der Erhaltung vom Aussterben bedrohter Pflanzen- und Tiergesellschaften, sondern dient auch dem Klimaschutz, denn jedes Hektar intakten Moores kann in einem Jahr 2 Tonnen Kohlendioxid aufnehmen und dauerhaft binden. Der Schutz der einheimischen Moore führte allerdings nicht zu einem geringeren Torfverbrauch, sondern statt dessen zu einem höheren Import aus dem Ausland, insbesondere aus dem Baltikum, in dem dadurch nun beschleunigt die Moore abgebaut werden.
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Eine neue Nutzung der renaturierten Moore könnte der sanfte Tourismus sein. Das empfindliche Ökosystem verträgt jedoch nicht viel, andererseits kann der kontrollierte und beschränkte Zugang über Lehrpfade, geführte Wanderungen, sowie Radfahr- und Wanderwege außerhalb der Naturschutz-Zonen ein Bewußtsein für die herbe Schönheit des Moores und den Naturschutz wecken. Die Moore sind aber nichts für “jeden” Touristen, sondern eher etwas für Freunde der Natur, bäuerlicher Kulturgeschichte und herber nordischer Landschaften.
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Torfstich im Steinfelder Moor (Oktober 2009)
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© Otwin Skrotzki.
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