Muna Rehden
 
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Die Kaserne des LwMunDp 61, Muna Rehden (“Heidmoorkaserne”), Foto von 2010.

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Einer der knapp 100 von der Bundeswehr genutzten Munitionsbunker der Muna Rehden (Foto von 2010)

Dickeler Sand - das ist für viele mit Erinnerungen an das durch einen hohen Zaun hermetisch abgeriegelte militärische Sperrgebiet verbunden, das einen großen Teil dieses Moränengeländes eingenommen hat. Es handelte sich um die Muna Rehden (Muna = Munitionsanstalt), ein Relikt des Kalten Krieges mit einer NS-Vergangenheit. Der Bereich war einerseits geheimnisumwittert, wirkte martialisch bedrohlich, und war andererseits auch ein nicht unbedeutender Wirtschaftsfaktor der Region.

Im Jahre 1937 begannen die Bauarbeiten zur Errichtung der Heeresmunitionsanstalt zwischen Rehden und Dickel. Das Dünen-Gelände war damals bereits “Staatsforst” und mit Kiefern bewaldet, nur die Randbereiche des Dickeler Sand waren noch Heide. Zwischen 1938 und 1940 wurde die Muna fertiggestellt und an die Wehrmacht übergeben. Die Anlage bekam einen Gleisanschluß über den Bahnhof Rehden-Wetschen an die Eisenbahnstrecke Nienburg-Diepholz. Produziert wurden Granaten, Minen und Mörsermunition. Zunächst arbeiteten 70 Wehrmachtsangehörige und dienstverpflichtete Facharbeiter sowie 150 dienstverpflichtete, überwiegend österreichische junge Mädchen in der getarnten Munitionsfabrik. Später kamen russische und französische Kriegsgefangene und 100 Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine hinzu. Sie wurden außerhalb der Muna bei Rehden in einem Kriegsgefangenenlager bzw. einem Zwangsarbeiterinnenlager untergebracht. Im April 1944 kam es zu einem Explosionsunglück in der Granatenabfüllanlage, das rund 60 Menschen das Leben kostete.

MUNANach der Besetzung der Muna durch britische Truppen am 07.04.1945 ließen diese die Munitionsbestände räumen. Die Arbeiten wurden Ende 1946 abgeschlossen. Im März 1945 haben sich auf dem Gelände der Muna Rehden - laut einer Archivrecherche der Firma Wersche aus dem Jahre 1990 - neben konventioneller Munition auch rund 4300 Tonnen chemischer Munition befunden, die in der Muna Espelkamp abgefüllt oder gelagert worden sein sollen. In der Regel haben die Briten die chemischen Waffen aus Wehrmachtsbeständen in der Nordsee versenkt, doch der Verbleib der Bestände der Muna gilt laut der Recherche als “unklar” (Quelle: Diepholzer Kreisblatt vom 22.01.2005). 1947 übergaben die Briten die Muna den deutschen Behörden. Die Kasernenbauten sowie auch Bunker wurden zunächst als Notunterkunft für befreite Zwangsarbeiter, später von Flüchtlingsfamilien aus den Ostgebieten genutzt. Nach der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland übernahm im Jahre 1956 die Bundeswehr das Areal und richtete 1957 dort das “Luftwaffenmunitionsdepot 61” ein. Es unterstand dem “Luftwaffenversorgungsregiment 6” in Oldenburg. Die Anlage war mit 200 ha das flächenmäßig sowie hinsichtlich der Umschlagskapazität größte Munitionsdepot der bundesdeutschen Luftwaffe. Es war auf 5000 t Netto-Explosivstoff ausgerichtet. Gelagert, instandgehalten und instandgesetzt, jedoch nicht produziert wurden alle von der Luftwaffe verwendeten Munitionsarten außer atomarer Munition. In der sogenannten “Heidmoorkaserne” im Südwesten der Anlage wurden die Verwaltung und die Soldaten des Depots untergebracht. Dort steht noch heute der auffällige grüne Funkturm, auf dem damals die Richtfunkantennen des militärischen Kommunikationsnetzes montiert waren. In den 1980er Jahren arbeiteten ca. 60 Soldaten (30 Mannschafts-, 20 Unteroffiziers-, 10 Offiziersdienstgrade) und 100 Zivilbedienstete in der Muna, darunter 14 Berufsfeuerwehrmänner. Die technisch anspruchsvolle und gefährliche Arbeit mit Munition erforderte auch von den Soldaten eine gute Spezialausbildung, die sie an verschiedenen Fachlehrgängen erwarben. Ein großer Teil von ihnen wurde an der Lufwaffenschule Kaufbeuren zum “Ersten Munitionsmechaniker” ausgebildet. Die Bewachung der Muna übergab die Bundeswehr in den 80er Jahren einem zivilen Wachdienst, der hier 35 Wachmänner beschäftigte. Der Wachdienst verfügte über 10-15 scharfe, “auf Mann” abgerichtete Schäferhunde. Der Zaun hatte eine Gesamtlänge von 8 km. Auf dem Muna-Gelände befand sich ein mindestens 20 km langes Straßennetz, über 2 km Eisenbahngleis sowie eine Bundeswehr-Diesellokomotive vom Typ “Deutz KS 200 B” (WNr. 56895) und eine “KS 230 B” (WNr. 57525). Die beiden Lokomotiven waren vermutlich nicht gleichzeitig im Einsatz. Ebenso ist nicht bekannt, wie lange die Bundeswehr auf dem Muna-Gelände und dem Anschlußgleis überhaupt eine eigene Lokomotive eingesetzt hat. Noch in den 1980er Jahren erfolgten bewachte Munitionstransporte per Bahn über Rehden-Wetschen und Diepholz, diese allerdings durchgehend mit Lokomotiven der Deutschen Bundesbahn.

 

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Bei diesem Gebäude handelt es sich um die Fahrbereitschaft der Muna. Es ist von einem auffälligen Erdwall umgeben, der auch auf Satellitenfotos deutlich zu erkennen ist. In der Nähe des Gebäudes befindet sich ein Schild mit der Aufschrift “CO2-Löschanlage”. (Foto von 1998)

Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde am 30.06.1995 das “LwMunDp 61” aufgelöst und die Muna aufgegeben, leergezogen und später zu einem “Gewerbepark” erklärt. Erst mehrere Jahre später fand sich ein größerer neuer Nutzer, die Automobil-Umschlagsfirma “BTR Logistik”. Durch die umfangreichen Um- und Neubauten der Firma sind mittlerweile schon viele der historischen Muna-Relikte verändert oder verschwunden. Die Beseitigung von Kampfmittelresten (Altlasten) gestaltete sich als aufwendig und langwierig, wodurch die Muna nochmal in die Schlagzeilen der Lokalpresse geriet: Bei der Bundeswehr und dem Bundesvermögensamt Hannover galt die Muna Rehden 1998 nach der Räumung von Altlasten zwar als “freigegeben”, doch Polizei und Staatsanwaltschaft beauftragten im Jahre 2004 eine unabhängige Spezialfirma, ein neues Gutachten zu erstellen. Laut einem Artikel des Diepholzer Kreisblatt vom 22.01.2005, dem das Gutachten vorlag, entdeckte die Firma unter anderem “zahlreiche Gasgranaten aus Bundeswehrbeständen mit Chloracetophenon-Presslingen und Reste von Stielhandgranaten aus dem Zweiten Weltkrieg” sowie Ammonit, 8,8-, 7,5- und 3,7-Zentimeter-Granaten. Die Räumarbeiten mußten wiederaufgenommen werden. Das gesamte Areal der Muna Rehden ist noch heute mit dem hohen Maschendraht sowie Stachel- und neuem S-Draht eingezäunt wie eine Festung, heute wohl wegen der hohen Werte, welche die Logistik-Firma dort lagert. Eine Besichtigung der letzten erhaltenen Muna-Relikte ist nicht möglich.

 

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Dieses Betriebsgebäude der Muna könnte, dem Baustil nach zu urteilen, aus der NS-Zeit oder den 1950er Jahren stammen. Die Bundeswehr nutzte es als “Halle 1” zur Mun.-Ein-/Ausgangskontrolle und zur Instandsetzung von Munition (Foto von 1998).

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Ein super-massiver Bunkereingang. Das unglaublich dicke Stahltor wurde mittels Elektromotore geöffnet. (Foto von 1998)

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Ein innerer Zaun trennte das Munagelände in einen West- und einen Ostteil. Das östliche Teil war der innere, besonders geschützte Bereich. Im weitaus kleineren Westteil befanden sich auch die Kasernenbauten. Das Foto zeigt die Durchfahrt durch den inneren Zaun mit Wache und “Annahme & Versand”, Blickrichtung Westen. Am linken Bildrand erkennt man halb verdeckt hinter Bäumen ein Gebäude mit 6 Toren, bei dem es sich vermutlich um ein großes Trafohaus handelt.. (Foto von 1998)

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Umwalltes Betriebsgebäude der Muna mit unbekannter Funktion (Foto von 1998)

© Otwin Skrotzki

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Wappen des LwMunDp 61

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Die Reihe der kleinformatigen Bilder entstand im Jahre 2010. Das untere Bild zeigt die Grabstätte auf dem Rehdener Friedhof der bei dem Explosionsunglück im Jahre 1944 ums Leben gekommenen  dienstverpflichteten Muna-Arbeiterinnen aus Österreich. Auf dem Gedenkstein ist weder die Muna, noch der Arbeitsunfall erwähnt. Lapidar heißt es: “Es fielen am 24. April 1944:” Darunter die Liste der Namen. Die bei dem Unglück umgekommenen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiterinnen wurden andernorts bestattet.