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Die Südseite des Diepholzer Schlosses im Jahre 2005
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Buchtipps:
E.Kruthaup, M.Röder [Hrsg] “150 Jahre Amtsgericht Diepholz”, Schröderscher Buchverlag, ISBN 3-89728-052-3. Neben der Geschichte des Amtsgerichts enthält dieses Buch interessante Informationen zur Baugeschichte des Schlosses.
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Webtipps:
Geschichte der Grafschaft. Eine ausführliche Geschichte der Grafschaften Diepholz und Hoya finden Sie hier.
Königreich Hannover. Und hier eine Geschichte des Königreich Hannover.
Die Verfassung des Königreich Hannover von 1840. Hier.
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Die Edelherren von Diepholz gehen auf ein sächsisches Adelsgeschlecht zurück, das im 11. Jahrhundert über Höfe und Grundbesitz u.a. in Drebber und südlich Cuxhaven (Midlum im Lande Wursten) verfügte. Anfang des 12. Jahrhunderts gelang es ihnen, einen Angehörigen aus ihrer Familie zum Bischof von Osnabrück zu stellen. Mitte des 12. Jahrhunderts ließen die Edelherren von Diepholz, die bis dahin in Cornau gelebt hatten, das Diepholzer Schloß inmitten eines von Mooren umgebenen Gebietes als ihre neue Residenz erbauen. Entlang dem Verbindungsweg zwischen einer Ursiedlung auf dem Esch und dem Schloß entstand mit dem Bau des Schlosses eine neue Siedlung, die Keimzelle der Stadt Diepholz. In jener Zeit bauten die Edlen von Diepholz ihren Einfluß südlich der Burg bis nach Lemförde aus und behaupteten sich gegen die Nachbarmächte Minden, Osnabrück und die nördlichen Außenposten des Bistums Münster. Mit der östlich und nordöstlich benachbarten Grafschaft Hoya unterhielten die Edelherren/Grafen von Diepholz freundschaftliche Beziehungen, es kam zu Verheiratungen zwischen Angehörigen beider Grafenhäuser.
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>>[...] Es ist nicht zu bezweifeln, daß die Edlen Herren von Diepholz zuerst in Cornau gewohnt haben, ehe sie die Burg Diepholz erbaut haben. Wann diese Burg, um welche nach und nach der Ort entstanden ist, angelegt ist, darüber findet sich keine genaue Nachricht; dies muß jedoch schon früh geschehen sein, denn das Geschlecht der Diepholzer Edlen führte darnach den Namen schon 1160; ein Johannes de Defholte und ein Cono de Thefholte kommen als Zeugen in einer Urkunde vor (Nieberding I., S.230 und 249). Es muß also damals schon die Burg vorhanden gewesen sein, ohne Zweifel zwischen 1120 und 1160, wie sich aus andern Urkunden schließen läßt (Nieberding I., S.240). [...]<<
[H.Gade „Die Grafschaft Diepholz – Historisch-geografisch-statistische Beschreibung“ 1901]
>>Wir wissen nicht, wie die im 12. Jahrhundert erbaute Burg ausgesehen hat [...] Martin Last kennzeichnet das castrum Diepholz als eine Motte im Divbrok, d.h., die Burg war ursprünglich ein von Palisaden und Graben umschlossener Wohnturm. [...] Die Burganlage war so klein, daß für einen landwirtschaftlichen Betrieb kein Raum vorhanden war. Er wurde vom Wirtschaftshof vor der Burg, der um 1280 überlieferten curtis ante castrum betrieben. Dieser lag am Südende des Willenberges. [...] Die Edlen von Diepholz haben ihre Burg sicherlich je nach den jeweiligen militärischen Erfordernissen und nach ihrer wirtschaftlichen Lage so stark und wehrhaft ausgebaut, daß sie zu einer bedeutenden militärischen Feste ihrer Herrschaft, zu einer Herrenburg und zu einem ansehnlichen Residenzschloß wurde. [...] Aufschluß über die Anlage der Burg geben am besten die starken Grundmauern der drei mittelalterlichen Flügel, die noch heute vorhanden sind; sie wurden während des 30jährigen Krieges nicht zerstört und beim Wiederaufbau des Schlosses beibehalten.[...] Der die gesamte Wehranlage einschließende Burggraben war einst viel breiter als heute. [...] Die Lohne und die alte Strothe lieferten ihm ständig Wasser. Zum Schutz der Feste trugen auch die anderen, weiter vor ihr fließenden Lohnen und Hüden bei. [...] Das sumpfige Gelände und die Wasserläufe, bei denen durch Stauungen Überschwemmungen herbeigeführt werden konnten, sicherten die mittelalterliche Burg somit in natürlicher Weise im Westen, Süden und Osten. Nur ein einziger Zugang, die Zugbrücke über dem Burggraben und sein starkes Torhaus vor dem Westflügel, verbanden die Burg mit der Außenwelt, zu der man nur von Norden aus zu ihr gelangen konnte.<<
[E.J.Guttzeit “Geschichte der Stadt Diepholz” 1982]
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Die Wappen der Grafenhäuser von Diepholz und Hoya über dem Eingang in den Nordflügel
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Die Diepholzer Grafen hatten sich unter den Schutz der Welfen gestellt, indem sie ihnen die Grafschaft zum Eigentum übertrugen und von ihnen als Lehn zurück empfingen. Somit fiel das Lehn nach dem Tod des letzten Grafen im Jahre 1585 zurück an die Celler Linie der Welfen (Herzogtum Braunschweig-Lüneburg). Vermutlich nur aufgrund dieser Lehens- und Bündnispolitik konnte die selbstständige Grafschaft überhaupt so relativ lange bestehen. Nach 1585 wurde das Schloß die Residenz eines von den Welfen eingesetzten Landdrosten.
Am Beginn des 30-jährigen Krieges wurde das Schloß besonders stark befestigt. Zum Wassergraben mit Zugbrücke kamen Bastionen und ein Wall hinzu, wie auf einem alten Merianstich zu sehen ist. Durch die Kriegshandlungen wurde das Schloß dann bis auf den heute efeuberankten Turmsockel, Teile des Nordflügels und die Grundmauern zerstört. Der Wiederaufbau mit dem Fachwerk-Turmaufsatz erfolgte 1663 unter dem Celler Herzog Christian Ludwig. Damit erhielt das Schloß im Wesentlichen sein heutiges Aussehen. Der Wall wurde in den Burggraben geschüttet und dieser damit auf seine heutige Breite verschmälert. 1665 bekam Ernst August, der protestantische Fürstbischof zu Osnabrück, die Grafschaft Diepholz von seinem Bruder, dem Herzog Georg Wilhelm, übertragen. Ernst August nutzte das Diepholzer Schloß auch als Jagdschloß. 1679 wurde er Herzog von Hannover (Calenberg), damit wurde auch Diepholz zur Landdrostei des Herzogtums Hannover. Nach 1723 trat ein Amtmann des Kurfürstentum Hannover an die Stelle des Drosten. Das Herzogtum stieg 1692 zum Kurfürstentum und 1814 schließlich zum Königreich Hannover auf.
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Nach der Revolution von 1848 erfolgte 1852 im Königreich Hannover unter König Ernst August die Trennung von Justiz und Verwaltung. Somit erhielten Amt und Amtsgericht im Westflügel des Schlosses getrennte Räume. Im Nordflügel, der neben dem Turm der einzige Rest der alten Burg ist, und im Ostflügel residierte der Amtsrichter, wobei die südliche Hälfte des Ostflügels als Wagen- und Torfremise diente. Weitere Beamtenwohnungen befanden sich außerhalb des Schlosses im sogenannten “Amtshaus” an der Langen Straße (später Staatshochbauamt). An der Schloß-Auffahrt zwischen dem eisernen Tor und dem Westflügel stand bis 1951 ein Fachwerk-Gebäude, das im Volksmund “Zehntscheune” und auf alten Plänen “Scheune des 1.Beamten” genannt wurde. Es enthielt Kuh- und Pferdeställe, eine Dresch- und Futterdiele sowie eine Knechtekammer.
1866 annektierten die Preußen das Königreich Hannover. Sie wandelten 1885 die hannoverschen Ämter in preußische, von Landräten geführte Landkreise um. Das Landratsamt behielt zunächst seinen Sitz neben dem Amtsgericht im Schloß. Im Südteil des Ostflügels wurde ein kleines Gefängnis mit 6 oder 8 Zellen eingerichtet, wie es damals zu jedem Amtsgericht gehörte. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die Kreisverwaltung ein neues Gebäude innerhalb der Stadt. Das Gerichtsgefängnis wurde 1969 geschlossen. Das Amtsgericht befindet sich noch heute im Schloß und belegt mittlerweile sämtliche Räume der drei Gebäudeflügel.
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Im Hof des Diepholzer Schlosses (Foto von 2009)
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Eingang in den Nordflügel des Diepholzer Schlosses. Die Tür ist noch das Original von 1838.
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ROSEN Wenn erst die Rosen verrinnen aus Vasen oder vom Strauch und ihr Entblättern beginnen, fallen die Tränen auch. Traum von der Stunde Dauer, Wechsel und Wiederbeginn, Traum – vor der Tiefe der Trauer: blättern die Rosen hin. Wahn von der Stunden Steigen aller ins Auferstehn, Wahn – vor dem Fallen, dem Schweigen: wenn die Rosen vergehn. [Gottfried Benn]
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Der Garten des Schosses im Jahre 2011
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Das dem Schloß schräg gegenüber an der Langen Straße liegende Amtshaus (Lange Straße 36) war Wohnsitz des “2.Beamten” und weiterer kurfürstlich bzw. königlich hannoverscher Beamter, die im Schloß (Amt und Amtsgericht) ihren Arbeitsplatz hatten. Das Haus geht auf einen Burgmannshof zurück, der ursprünglich vermutlich zur Familie von Voß gehörte, und den im 17. Jahrhundert der Kapitänleutnant von Glan erwarb. Von Glan heiratete Anna von Voß. Dadurch gelangte der Hof später an Carl August Friedrich von Voß, dem auch die Münte gehörte. Von Voß verkaufte das Haus 1782 dem hannoverschen Staat, der es fortan als Beamtenwohnhaus nutzte. Zu dem Gebäude gehörte auch der auf der anderen Straßenseite liegende sogenannte Amtsgarten (ehem. von Glanscher Garten, heute öffentlicher Park). Nach der preußischen Annexion von 1866 wurden 1867 in dem Gebäude auch die Kreiskasse und das königlich preußische Hochbauamt untergebracht. Ab 1966 befand sich dort nur noch das Staatshochbauamt. Nach dessen Verlegung war noch kurze Zeit eine Zweigstelle der Polizei in dem Gebäude untergebracht. 2010 verkaufte es das Land Niedersachsen einem Diepholzer Geschäftsmann, der es 2011 restaurieren ließ und an die Diakonie vermieten wird.
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