St. Hülfe
 
04.08.07 002

Norddeutsche Herbheit: Der Ortsrand von St.Hülfe von Osten gesehen.

Das Dorf St.Hülfe, das sich aus den Orten St. Hülfe und Heede zusammensetzt, bildet den nordöstlichen Rand von Diepholz. Früher war es ein selbstständiges, zur Pfarrei Mariendrebber gehörendes Dorf. Heute ist es ein Stadtteil von Diepholz. Im Mittelalter hieß das Dorf “Nutlo”. Bis ins 16. Jahrhundert befand sich dort eine Wallfahrtskapelle mit dem Namen “Sankt Hülfe”, die einer Sage nach von Karl dem Großen (748-814) als Dank für einen Sieg über die Sachsen gestiftet worden sein soll. Die Kapelle taucht allerdings erst seit 1378 in Urkunden auf. Wallfahrerei und Kapelle verschwanden mit der Reformation, “St.Hülfe” wurde als Ortsname übernommen und beibehalten. Wenig bekannt ist das heute nicht mehr lokalisierbare, eigentlich zu Heede gehörende “Gut St. Hülfe”. Ob dieses später als “Bremerhof” und “Montigni Hof” bezeichnete Gut aus dem Hof hervorging, den einer Urkunde zufolge der Edelherr Johann von Diepholz im Jahre 1380 verkaufte, ist allerdings nicht erwiesen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war es im Besitz der Familie Montigni oder Martigny, kam später in den Besitz der Famlilie Albers, wurde im 19 Jahrhundert von H. Holtzermann parzelliert, und gelangte letztlich an den Eigentümer des Rittergut Falkenhardt Ludwig Kellenberg.

Erwähnenswert ist auch die Hinrichtungsstätte mit Galgen, Rad und Pranger in St. Hülfe, die sich etwa 400 m nördlich des Dorfes befand und noch auf der topografischen Karte von 1773 eingezeichnet ist. Es handelte sich ursprünglich um die Gerichtsstätte des Gerichtsbeziks Drebber. Das Gericht tagte im 16. und 17. Jahrhundert in der Drebbermühle. Die letzte Vollstreckung eines Urteils fand in St. Hülfe im 18. Jahrhundert statt.

Bekannt sind heute aus St.Hülfe besonders die alte Schnapsbrennerei Blome, die traditonelle Maifeier, die auf ein altes Schützenfest aus der Zeit um 1500 zurückgeführt wird, sowie die Tatsache, daß St.Hülfe der einzige Ort im protestantisch geprägten Raum Diepholz mit einer karnevalistischen Tradition ist (allerdings erst seit 1960). Seit einigen Jahren hat sich eine neue, überraschende Tradition etabliert: “Jazz live” im Hotel Castendiek (früher Hotel Lohaus), zwar fast ausschließlich mit Oldtime-Jazz, aber immerhin.

 

04.08.07 001

Die Schnapsbrennerei in St.Hülfe. Hier wurde früher Schnaps der eigenen Marke “Erntekorn” gebrannt.

>>Sankt Hülfe, größeres Dorf, 3 km nordöstlich von Diepholz, an der Osnabrück-Bremer Chaussee und an der gleichen Bahnstrecke, Landgem. Sankt Hülfe, mit einem Flächeninhalt von 1430 ha, wozu Öhlen, Sankt Hülfer Neufeld und Sankt Hülfer Wiesenhütte gehören, Schulgem. und Standesamt Sankt Hülfe, Pf. Mariendrebber, 1895 79 Wohnhäuser, 399 Einwohner.

Der Name erklärt sich aus der Geschichte des Ortes. Dieser selbst hieß in alter Zeit Nuttlo, nur die hiesige Kirche oder Kapelle aber Sankt Hülfe.[...] Nach der Tradition soll Karl d. Gr. bei Felstehausen auf der Drebber-Höhe [...] nach blutigem Kampf einen Sieg über die heidnischen Sachsen unter Wittekind erfochten und aus Dankbarkeit für die göttliche Hülfe hier ein Gotteshaus gestiftet haben, Sankt Hülfe genannt, wie es von Karl d. Gr. auch anderweitig in ähnlicher Weise geschehen ist. [...] Die Kirche hatte ihre eigene Küsterei, bedeutendes Vermögen an Grundstücken, Kapitalien, Renten, sowie sonstigen Einkünften und eine eigene Verwaltung in der Person eines Verwahrers [...], welches Amt auch selbst Edelherren von Diepholz übernahmen. Ebenso hatte die Kirche ein eigenes Siegel mit der Umschrift: “Sigillum sacro sancte ecclesie in Nutlo”. [...] Mit der Einführung der Reformation wird der Gottesdienst in der Kirche aufgehört haben und das Kirchengebäude nach und nach verfallen sein, sodaß keine Spur davon übrig geblieben ist. Die Kirche hat auf dem Platze der alten Schule gestanden; die neue Schule hat einen andern Platz erhalten und steht an der Heerstraße zwischen St.Hülfe und Heede [...] Auch darüber ist nichts bekannt, wie es mit dem Kirchenvermögen geworden ist.[...]<<

[H. Gade, Die Grafschaft Diepholz, historisch-geographisch-statistische Beschreibung, 1901]     

04.08.07 007

Die ehemalige Windmühle in St.Hülfe im August 2007

09.09.07 004

Das Hotel Castendieck in St.Hülfe (früher Hotel Lohaus) gehört zu den schönsten Fachwerkhäusern im Gebiet der Stadt Diepholz.

09.09.07 003

Die Einfahrt nach St. Hülfe aus Richtung Bremen. Die alte “Osnabrück-Bremer Chaussee” ( B 51) ist hier eine prachtvolle Allee (Foto von 2007)

26.07.09 002

Historischer Speicher und Steinbogenbrücke über die Grawiede in Heede bei St.Hülfe.

© Otwin Skrotzki.