Schloß Auburg
 
Auburg

Schloß Auburg in Wagenfeld

Südostlich des Kellenberges am Flüßchen Aue befindet sich die Gemeinde Wagenfeld mit der Auburg. Die Auburg wurde im 15. Jahrhundert von den Diepholzer Grafen als südöstliche Grenzfestung gegen das Bistum Minden erbaut. Die Festung war eine große mittelalterliche Burganlage mit Wall, Wassergraben, Zugbrücke, Vorburg und Hauptburg. Mit der Auburg konnte die alte Heerstraße überwacht werden, die zwischen Kellenberg und Geestmoor von Diepholz in Richtung Minden führte. Aufgrund der Bündnis- und Lehenspolitik der Grafen von Diepholz fiel die Auburg samt Siedlung nach dem Tod des letzten Diepholzer Grafen im Jahre 1585 an den Landgrafen von Hessen.

Landgraf Wilhelm von Hessen übergab Schloß und Amt Auburg 1588 seinem Sohn Philipp Wilhelm von Cornberg als Sekundogenitur (Recht des Zweitgeborenen). Die Cornbergs herrschten über Wagenfeld nahezu unbeschränkt. August Wilhelm von Cornberg strebte die Reichsunmittelbarkeit an, verlor aber Anfang des 18. Jahrh. vor dem Reichskammergericht gegen den Landgrafen von Hessen und wurde für lehnsfällig erklärt. Daraufhin wurde das Amt Auburg 1711 der hessischen Regierung unterstellt, auf der Auburg ein Amtmann eingesetzt. Georg Ludwig von Cornberg wurde aber 1734 vom Landgrafen Friedrich von Hessen wieder mit der Auburg belehnt.

Trotz des 30-jährigen Krieges mit vorübergehender schwedischer Besatzung blieben die Burganlagen lange weitgehend erhalten. Den von Cornberg stand auf der Burg eine hessische Garnison zur Seite, die im Jahre 1751 aus einem Kommandanten und 40 Mann bestand. Als Kaserne dienten teils Fachwerkbaracken, die auf dem Festungsgelände errichtet wurden. 1789 wurde die Garnison aufgelöst, alle militärischen Bauten abgerissen, die Kasematten gesprengt, der Wall in den Burggraben geschüttet, und das Festungsgelände allein den Cornbergs überlassen. Reste der alten Burg blieben aber noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten. Das heute restaurierte Herrenhaus wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut. Die Reste der alten Burg verschwanden dann nach und nach, eine letzte Ruine ist auf einer Zeichnung aus dem Jahre 1860 überliefert.

In einem Fragebogen, den der Auburger Amtmann Jacobi im Jahre 1792 an den Kurfürstlich Hannoverschen Amtmann Partz in Lemförde zurücksandte, ist Folgendes über Wagenfeld zu lesen: >>[...] Auburg. Außer dem Cornbergschen Wohnhause und verschiedenen Verwaltungsgebäuden findet sich dort bloß des Beamten Wohnung. Andere Dienstwohnungen sind hierselbst nicht vorhanden. Die Commandantenwohnung, die Baracken und das Wachthaus sind niedergerissen und die Materialien davon verkauft. Der Grund und Boden samt dem Terrain der Festungswerke sind 1789 demoliert.[...] In Justizsachen ist die 2te Instanz bei der Regierung zu Rinteln und die 3te bei dem Tribunal in Kassel. {...] Viehzucht, Hollandgehen und Leineweberei sind die Hauptnahrungsquellen [...] Die Viehzucht ist nur mittelmäßig welches zum Teil von dem Mangel des Ackerlandes herrührt. Über 1/3 der erforderlichen Brotfrucht muß auswärts gekauft werden. Doch sind die Untertanen wohlhabend. [...] Hohe und niedere Jagd gehören allein den Herren von Cornberg. Vor- und Koppeljagden mit den benachbarten finden gar nicht statt. Hohes Wildbret ist höchst selten. Die Fischerei gehört ebenfalls denen von Cornberg, ist aber nicht von Belang. Hechte und Aale sind fast die einzigen Fische, die hier gefangen werden. Sie haben einen moorichten Geschmack.<< [Quelle: Die Auburg und das Dorf Wagenfeld, Hrsg. Auburg-Quelle Lütvogt 1996] 

Nach dem Wiener Kongreß fiel das Amt Auburg im Jahre 1816 an das Königreich Hannover und wurde 1820 dem Amt Diepholz wiederangegliedert. 1818 traten die von Cornberg auch die Gerichtshoheit gegen Entschädigung an das Königreich Hannover ab und waren fortan lediglich private Gutsherren auf Auburg. 1870 zog die Familie von Cornberg nach Hannover und nutzte Schloß Auburg fortan nur noch als Sommersitz, bis es Theodor von Cornberg im Jahre 1904 schließlich dem Osnabrücker Fabrikanten Schlicker verkaufte. Die Ländereien des Gutes wurden teils vereinzelt, das Restgut ging 1927 an den Landwirt Schwanhold. Das Herrenhaus gelangte 1937 in den Besitz der Gemeinde Wagenfeld.

 

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Schloß Auburg im November 2007

>>Wagenfeld, große Ortschaft im westlichen Teile der Grafschaft, südlich von der Nienburg-Diepholzer Chaussee, Landgem. W. mit 7536 ha Flächeninhalt, Pf. und Standesamt Wagenfeld, 1885 580 Wohnhäuser, 3151 Einwohner. Wagenfeld ist der Gesamtname für die Ortschaft; doch besteht dieselbe aus 5 Abteilungen, nämlich: dem landtagsfähigen Gut Auburg, der Bauerschaft Bokel, der Bauerschaft Förlingen, der Bauerschaft Haßlingen, der Bauerschaft Neustadt. [...]

Die Ortschaft mit Zubehör ist erst 1441 als Teil des Heiratsguts bei der Verheiratung des Edlen Herrn Otto von Diepholz mit Hedwig oder Heilwig, Tochter des Grafen von Bronkhorst und Herren zu Borkeloh [...] an die Herrschaft Diepholz gekommen, daher fehlen über diesen Teil der Grafschaft fast alle älteren Nachrichten und auch die aus der Zeit nach dem Tode des letzten Grafen Friedrich von Diepholz, da nicht nur die älteren Urkunden im Besitze des frühern Eigentümers im Utrechtschen geblieben, sondern auch nach dem Heimfall des Amtes Auburg an Hessen ohne Zweifel alle Akten nach Rinteln gekommen sind, von wo aus das Amt Auburg verwaltet wurde.[...]

Die Herren von Diepholz lebten in steter Streitigkeit mit dem Stift Minden, hauptsächlich wegen des südlichen Teils der Herrschaft Diepholz, der erst zur Gografschaft Steinwede gehört hat; doch auch wegen der neu erbauten Auburg, welche ja auch nach der Behauptung des Stifts Minden auf dessen Gebiet geschehen sein sollte, weshalb denn 1448 der Bischof Albert zu Minden und der Herzog Friedrich zu Braunschweig-Lündeburg einen Streifzug in die Herrschaft Diepholz gemacht und dabei Wagenfeld ausgeplündert haben sollen (Nieberding I., S.304-395). Um sich nun den Schutz des Stärkeren bei den Streitigkeiten zu sichern, hat 1512 der Graf Otto von Diepholz die ganze Grafschaft, jedoch ohne Auburg, an Braunschweig-Lüneburg zum Eigentum übertragen und dann als Lehn zurück empfangen. In gleicher Weise und zu gleichem Zwecke übertrug dann auch der Edle Herr Friedrich von Diepholz seinem Oheim, dem Landgrafen Philipp von Hessen am 26. Oktober 1521 “sein Sloss Auwburgk, das Dorff Wagenfeld und die Wagenfeldische Strutten [...] zu seinem eygenthumb”, und empfing es als Lehn von demselben wieder zurück. (Dieph. Urkb. Nr.196).

[H.Gade, Die Grafschaft Diepholz, historisch-geographisch-statistische Beschreibung, 1901]

 

Webtipps:

Wagenfeld. Zur offiziellen Homepage der Gemeinde Wagenfeld geht es hier.

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Das Wappen der von Cornberg am Schloß Auburg.

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Die Auburg war eine umfangreiche Burganlage mit Vorburg, Hauptburg, Graben, Wall und Palisaden (Merian-Stich von 1648)

Zur Auburg gehörten auch zwei Windmühlen, die Auburger Mühle (“Hüskers Mühle”) und die Hasslinger Mühle (“Speckmanns Mühle”). Von der Auburger Mühle existiert heute nur noch der Unterbau aus Bruchstein. Er befindet sich ca. 1,5 km südwestlich des Schlosses. Bereits im Jahre 1560 befand sich dort eine herrschaftliche Bockwindmühle. Diese wurde 1846 abgerissen und von den Cornbergs durch einen sogenannten “Durchfahrtholländer” mit steinernem Unterbau und mit Holzschindeln gedecktem Oberbau ersetzt. Die Cornbergs verpachteten die Mühle ab 1864. Im Jahre 1945 brannte die Mühle bis auf den Unterbau ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Eine Hasslinger Mühle in der Wagenfelder Bauerschaft Hasslingen wird ebenfalls schon sehr früh erwähnt, nämlich im Jahre 1689. Vermutlich war auch sie ursprünglich eine Bockwindmühle. Sie wurde 1835 durch einen der späteren Auburger Mühle baugleichen “Durchfahrtholländer” ersetzt. 1891 verkaufte v. Cornberg die Hasslinger Mühle. 1981 wurde sie von den heutigen Eigentümern fachgerecht restauriert und ist dadurch noch heute erhalten.

 

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Der Unterbau der Auburger Mühle (Foto von 2008)

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Cornbergsche Wappen an der Auburger Mühle (Foto von 2008)

>>[...] Als Wagenfeld 1816 in den alten Staatsverband zurückgekehrt war, dauerte es Jahrzehnte, bis die hessische Zugehörigkeit vergessen war und die Bevölkerung Wagenfelds sich an die hannoverschen Verwaltungsformen gewöhnt hatte. Am stärksten hatte sich das Hessentum in der Herrschaft der Famile von Cornberg verkörpert, die das Schicksal Wagenfelds jahrhundertelang bestimmt hat; in neun Generationen war sie hier ansässig. [...] Die Bevölkerung Wagenfelds hatte 230 Jahre fast völlig abgeschlossen von der Außenwelt gelebt; ihre Freizügigkeit war unterbunden, ihre Zugehörigkeit und Verbundenheit mit den Menschen der alten Grafschaft Diepholz verlorengegangen. [...] Deshalb haben die alten bodenentsprossenen Bauernfamilien sich hier länger behauptet als in anderen Gemeinden, z.B. die Brüggemann, Cording, Fiefstück, Lohaus in Bockel, die Filgerdamm, Lehing, Tatgenhorst, Winkelmann in Förlingen, die Bening, Feuß, Kruse, Voß in Haßlingen, die Bünte, Finkenstedt, Köster, Röper in Neustadt. Die abgeschlossene Lage brachte es auch mit sich, daß die Wagenfelder Söhne fast ausschließlich Wagenfelder Töchter heirateten. Auf diese Weise bildeten die vier Bauerschaften bis ins 19. Jahrhundert wirklich eine Einheit, ja, eine einheitliche, geschlossene Großfamilie. Erst in jüngster Zeit erfolgte ein Einbruch in diese Verhältnisse [...]<<

[E. J. Guttzeit in “Die Auburg und das Dorf Wagenfeld - Wege in unsere Geschichte”, herausgegeben von der Firma “Auburg Quelle, Friedrich Lütvogt GmbH & Co. KG”, 1996]

© Otwin Skrotzki.